Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1995. Sectio Philosophica.(Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 22)
Philippe Despoix: A termékeny félreértésről (Megjegyzések Arnold Hauserhez, Lukácshoz és Popper Leóhoz)
Anlehnung an die deutsche Hermeneutik von Schleiermacher bis Dilthey wird das Rezeptionsproblem der Kunst als Sonderform des "Verstehens" von kulturellen Mitteilungensformen erörtet. Aufgrund der Geschichte ist keine vollständige Identifizierung des Rezipienten mit dem Subjekt des Ausdrucks möglich und somit jedes Verstehen eines Kunstwerkes gewißermaßen auch ein Mißverständnis. Hauser greift sogar die provokative Formel Malraux' des "unvermeidlichen Mißverständnis" auf, nach welcher keine Adequation zwischen vom Künstler Ausgedrucktem und vom Publikum Verstandenem bestehen kann, und nennt sie einen "fruchtbaren Irrtum". Das Offene, das Unfertige und die Pluralität der Wirkung von Kunstwerken, die ihr eigentliches Nachleben ausmachen, verdanken sie deren Mißverständlichkeit. 2 Damit schreibt Hauser dem Mißverständnis in der Kunst eine gewiße Positivität zu, ohne aber daran zu erinnern, die eigentliche Aufgabe der Kunstgeschichte sei, dieses zu reduzieren. Diese Spannung zwischen Verstehen und Mißverstehen des Kunstwerkes liegt der ganzen Theorie der Rezeption und des Publikums zugrunde - ein äußerst empfindliches theoretisches Moment also, von dem aus eine Begründung des soziologischen Gesichtspunkts für die Geschichte der Künste unternommen wird. Fragt man nach dem geistesgeschichtlichen Zusammenhang dieser Problematik, so führt der Weg in die intellektuelle Welt Budapests während des ersten Weltkriegs: nämlich im "Sonntagskreis" um György Lukács und Béla Balázs (1915-18), wo Hauser - zusammen mit seinem Freund, dem Soziologen Karl Mannheim - seine ersten geistigen Erfahrungen gesammelt hat. Das Interesse der Debatte in diesem Kreis war zwar in der Hauptsache ethisch gerichtet; nicht allein aber die Mystik, Kierkegaard und Dostojewski, sondern auch die deutsche Romantik und ästhetische Fragestellungen waren Gegenstand von Diskussionen, bei welchen Lukács die bestimmende Autorität war. In der in Budapest parallel zum "Sonntagskreis" gegründeten "Freien Hochschüle für Geisteswissenschaften" hielt 1917-19 Hauser seine ersten Vorlesungen über Aesthetik. In den wenigen erhaltenen Aufzeichnungen dieser Vorlesungen sind die Spuren der Auseinandersetzung mit Lukács unverkennbar. 3 125