Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1995. Sectio Philosophica.(Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 22)
Philippe Despoix: A termékeny félreértésről (Megjegyzések Arnold Hauserhez, Lukácshoz és Popper Leóhoz)
n. Lukács kam 1915 aus Heidelberg, wo er einige Jahren im Max Weber Kreis verbracht und dort eine Aesthetik konzipiert hatte, in deren Zentrum eine radikale Kritik der Kunst als "Ausdruck" und eine Theorie des Mißverständnisses steht. Als Text wurde zwar diese frühe Heidelberger Philosophie der Kunst erst 1974, nach seinem Tod, verlegt, ihre Grundgedanken regten aber viele Diskussionen in Heidelberg und Budapest unmittelbar nach ihrer Entstehung an. Die als Manuskript erhaltene Abhandlung, mit welcher Lukács zu habilitieren gedachte, sollte die Aesthetik als autonome Wissenschaft, in der Nähe der Weberschen Soziologie, definitiv gründen. "Wenn die Aesthetik eine Wissenschaft für sich sein soll, schreibt er im einleitenden Teil, und nicht eine propädeutische Vorbereitung zur Metaphysik oder Religionsphilosophie, so muß sie ... solche Voraussetzungen suchen, die für ihren letzten Wert, das Kunstwerk, eine eigene, in sich abgeschlossene Bedeutung möglich machen." 4 Läßt man nach Lukács die Aesthetik als transcendierende Disciplin bestehen, so ist mit dem Aufgeben der Immanenz ihres Gebietes das "Dasein des Werkes", als ihr einziges Faktum und Gegenstand, als solche aufgehoben. Die Hauptforderung besteht in einer Werkzentrierung der Aesthetik, die den Theorien des Schönen und der Kunstphilosophie des deutschen Idealismus eine Absage erteilen soll. Erst aus der Perspektive der eigenen Geschichtlichkeit des Werkes sei das Wesen des Rezeptiven und des Schöpferischen zu deuten. Lukács radikalisiert hier die Ansätze der Kunstgeschichte der Zeit in ihrer Kritik der Kunst als "Ausdruck", indem er den Glauben an eine restlose Mitteilbarkeit der künstlerischen Intetion, sei es in der Form des "Kunstwollens " wie bei Riegl, sei es in der "Eigengesetzlichkeit des Materials" wie bei Semper, aufgibt. Besteht das Kunstwerk nicht mehr als adäquate Mitteilung eines Ausdruckprozesses, so muß das Mißvertändnis zur konstitutiven Voraussetzung jedes Verständnisses vom Werk werden: "Erst wenn das Mißverständnis als die allein mögliche unmittelbare Mitteilungsform erkannt ist, schreibt Lukács, wird es möglich, das Dasein des Werkes in ungetrübter Weise zu verstehen." 5 Dieses Mißverständnis bedeutet aber nicht nur eine unvermeidliche Inadequation des Rezeptionsprozesses, wie es Hauser später entwickeln wird, sondern zugleich eine notwendige Inadequation des 126