ARHIVSKI VJESNIK 36. (ZAGREB, 1993.)

Strana - 138

F.H. Hye, Zur Geschichte des Staatswappens von Kroatien. 131-147 Arh. vjesn., god. 36 (1993) str. wappen begegnet, 29 als das Wappen des Königreiches Kroatien zu bezei­chnen; - hier war wohl der Wunsch der Vater des Gedankens! Im Gegensatz zu dieser Behauptung von Marijan Grakalić ist vielmehr nochmals mit aller Deutlichkeit festzustellen, daß es im Jahre 1493 noch kein Wappen für das Königreich Kroatien gegeben hat, denn andernfalls wäre dieses Wappen ebenso wie jene von Ungarn, Dalmatien, Bosnien etc. auf König Wladislaws II. Oratorium von 1493 im St. Veitsdom in Prag dar­gestellt worden, und hätte es der König auch in seinen Siegeln geführt. Die Kreation des Wappens von Kroatien geht daher offenbar erst auf die Initiative jenes Monarchen zurück, der laut des bereits oben zitierten Friedensvertrages von Preßburg (1491) zwar nicht regierender König von Ungarn, aber mit Zustimmung Wladislaws II. neben ihm Titularkönig dieses Königreiches und seiner Nebenländer qeworden ist, - und dieser König war eben Maximilian I., der seit 1508 den Titel »Erwählter Römischer Kaiser« zu führen berechtigt war. Maximilian dürfte schon sehr bald nach 1491 ein Wappen für das Kö­nigreich Kroatien initiiert haben, wobei ein typisch quasisprechendes Wap­pen mit Quadraten mit Anspielung auf den Klang des Wortes Quadrat für Kroat ohne jeden Anspruch auf etymologische Richtigkeit, vielmehr allein mit Anlehnung an den ähnlichen Wortklang entstanden ist: Es ist der am Innsbrucker Fresko in vier mal vier, meist aber in fünf mal fünf Feldern oder Quadraten von Silber und Rot geschachte Wappenschild. In Kroatien selbst wurde bezüglich der Entstehungsweise des kroati­schen Wappens folgende Wappenlegende entwickelt und verbreitet; - zitiert nach Josef Stare (1882): »Das Wappen Kroatiens stellt ein roth-waißes Schachbret dar, dessen Entstehung die Sage dem Könige Držislav zu­schreibt. Držislav, der ein geübter Schachspieler gewesen sein soll, war in venetianische Gefangenschaft gerathen und der Doge Peter II. Orseolo ver­sprach ihm die Freiheit, wenn er gegen ihn dreimal nach einander das Spiel gewänne. Držislav trug den Sieg davon, wurde in Freiheit gesetzt und er­klärte fortan ein Schachbret als Landeswappen.« 30 Die Regierungszeit des Dogen Pietro II. Orseolo fällt freilich in die Ja­hre 991-1009, 31 liegt also mehr als hundert Jahre von Beginn des europäi­schen Wappenbrauchs, also in vorheraldischer Zeit, - womit der sagenhafte Charakter dieser Tradition einmal mehr offenkundig wird. 29 Vgl. z. B. Walther Marz und Friedrich Hegi, Die Wappenrolle von Zürich. Zürich 1930, Wappen Nr. 437 (Wagegg) und Nr. 501 (Mannsberg oder Sperberseck). Auch in den Farbwerten denselben Schild wie Kroatien führten die Span- oder Sponheimer, welche von 1122 bis 1269 auch Herzoge VDn Kärnten waren. (Vgl. dazu Wilhelm Ewald, Rheinische Heraldik. Düsseldorf 1934, S. 150f. (Faltblatt - Stammbaum.) Die Herren von Mansperg (vgl. oben) bzw. ihr schwarz-silber geschachter Schild begegnet auch bei Eduard Widmoser und Werner Köfler, Botenbbuch der Bruderschaft St. Christoph auf dem Arlberg. Inn­sbruck (1976), fol. 41r. 30 Josef Stare, Die Kroaten im Königreiche Kroatien und Slavonien. = Die Völker Österreich-Ungarns Band 10/2, Wien 1882, S. 34. 31 H. Kretschmayr, a. a. O., S. 126-143. 138

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