ARHIVSKI VJESNIK 36. (ZAGREB, 1993.)
Strana - 136
F. H. Hye, Zur Geschichte des Staatswappens von Kroatien. 131-147 Arh. vjesn., god. 36 (1993) str. Zuvor allerdings hat man zu beachten, daß auch die Dogen von Venedig seit 1002 bzw. seit dem 13. Jahrhundert dazu berechtigt waren, den Titel von Herzogen von Dalmatien und Kroatien zu führen. 16 Diesbezüglich kann jedoch bereits vorweg festgestellt werden, daß die Republik Venedig bis herauf ins 17./18. Jahrhundert stets - wie z. B. über dem Stadttor von Poreč nur den Markus-Löwen als Einheitswappen für alle ihre Besitzungen und Herrschaften geführt bzw. erst um 1700 auch ein Kombinationswappen konzipieren ließ, welches die Individualität der von Venedig beherrschten oder beanspruchten Territorien berücksichtigt hat. In diesem Kombinationswappen fanden dann auch die Wappen von Dalmatien und Kroatien ihren Platz. 17 Im Wappen der ungarischen Könige hingegen fanden die einzelnen Länder schon wesentlich früher individuelle Berücksichtigung. Vom 12. bis zum Ende des 14. Jahrhunderts fanden allerdings nur die beiden ungarischen Wappen, das sogenannte Alte mit den vier silbernen Balken in rotem Schild und das beinahe ebenso alte Neue Wappen mit dem Patriarchenkreuz Berücksichtigung 18 - wie z. B. im Thronsiegel König Ludwigs I. aus dem Hause Anjou. 19 Als zusätzliches Territorialwappen läßt sich erst unter seinem Schwiegersohn König Sigmund (1387-1437) das Wappen von Dalmatien mit den drei nach vorne blickenden Löwenköpfen oder drei nach rechts blickenden Leopardenköpfen nachweisen. Es begegnet erstmals sowohl auf Sigmunds Thron- und Münzsiegel, welches er spätestens seit 1411 als ungarischer König geführt hat, als auch auf jenem Thron- und Münzsiegel, dessen er sich als Römischer Kaiser ab 1433 bedient hat. 20 Dementsprechend findet sich das Wappen von Dalmatien auch in der zeitgenössischen Chronik des Konzils von Konstanz 1414-1418 von Ulrich Richental. 21 Dem Vorbild Sigmunds folgten auch sein Schwiegersohn König Albrecht aus dem Hause Österreich-Habsburg - als römisch-deutscher König Albrecht II. 22 - sowie dessen nachgeborener Sohn Ladislaus Posthumus 16 Heinrich Kretschmayr, Geschichte von Venedig. Band 1, Gotha 1905, S. 135 sowie Josef Riedmann, Die Beziehungen der Graffen und Landesfürsten von Tirol zu Italien bis zum Jahre 1335. = Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse, Sitzungsberichte Band 307, Wien 1977, S. 116, Anmerkung 16. 17 Siehe eine entsprechende Abbildungen bei Otfried Neubecker, Heraldik. Frankfurt a. M. 1977, S. 243. Vgl. dazu auch Franz-Heinz Hye, Programmatische Polit-Heraldik: Landeswappen, Einheitswappen, Anspruchswappen. In: Bericht des 19. Österreichischen Historikertages in Graz 1992 (in Druck). 18 Zdenko G. Alexy, Drei Etappen der Entstehungsgeschichte des Wappens der Slowakei. In: Staaten - Wappen - Dynastien, a. a. O., S. 204f. 19 Karl Szabo, Geschichte Ungarns. In: Die österreichische-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn Band 1, Wien 1888, S. 98 (Abbildung). 20 Otto Posse, Die Siegel der Deutschen Kaiser und Könige. Band 2, Dresden 1910, Tafel 14, n. 1 und 2 sowie Tafel 15. 21 Ulrich Richental, Das Konzil zu Konstanz. Faksimile-Ausgabe Konstanz 1964, fol. 137r. 22 O. Posse, a. a. O., Band 2, Tafel 19, n. 7. 136