ARHIVSKI VJESNIK 1. (ZAGREB, 1958.)

Strana - 198

Die Wünsche, welche die Delegierten bei dieser letzten Besprechung schriftlich vorlegten, Beilage 14., differierten wesentlich von denen des Vortages. Ich nahm dieselben zur Kenntnis, erklärte den Leuten, dass sie wohlwollend entgegennehme und weiterleiten werde, ebenso, dass die blossen Demonstranten ungestrafft bleiben, im Gegensatz zu Meuterern, die mit Gewehren und Geschützen geschossen haben,' falls die roten Flaggen eingeholt werden, die Mannschaft zu Zucht und Ordnung zurückkehrt und garantiert, dass die Ruhe aufrechterhalten wird. Während ich mit den Delegierten sprach, erschien plötzlich ein Mann, welcher dem Titular-Bootsmann A.I. RASCH die Meldung erstattete, dass S.M.S. »Kronprinz Erzherzog Rudolf« dampf und gefechtsklar auf Seite der Meuterer sei, worauf dieser mit hoheitsvoller Geste den Befehl gab »Abwarten«. Ich frug ihn wer er sei, worauf, er nach einigen Ausflüchten seine Dienstbestimmung bekanntgab. Auf meine Frage, was er sich den einbilde zu erreichen, erhielt ich die Antwort: »Wir haben jetzt die Macht in Händen und geben sie nicht mehr heraus«. Meine weitere Bemerkung, dass dies nur eine unsinnige Einbildung sei und wir alle doch in der Gewalt der Kriegs­hafenkommandos stünden, welches sicher Ernst mache und dann viel unschuldiges Blutvergiessen erfolgen würde, beantwortete er damit: »Rudolf« wird den Bahnhof Zelenika in Trümmer schiessen, so dass keine Truppen ankommen können«. Da ich mich nicht weiter so einfältigen Äusserungen aussetzen wollte, brach ich das Ge­spräch ab. Ich forderte die Delegierten auf, sich auf Deck zu begeben, der Mannschaft die frühere EntSchliessung zu verlautbaren und dieselbe aufzufordern, sofort die roten Flaggen einzuholen. fc Die Verlautbarung geschah auch um beiläufig 12 h mittags. Anfänglich erschol­len Hurra-Rufe, als jedoch die Delegierten die Frage des Niederholens der roten Flaggen aufwarfen, mischten sich Gepfeife und Pereatrufe dazwischen, die schliesslich die zustimmenden Hurra-Rufe vollkommen übertönten. Die Delegierten der übrigen Schiffe begaben sich daraufhin von Bord, um, wie sie meinten, mit ihren Bemannungen zu sprechen. Im Laufe des Vormittags waren auf sämtlichen Einheiten nach und nach am Vortop und am Bugflaggenstook rote Flaggen gehisst worden, sodass hier der Ein­druck herrschte, dass sich alle Einheiten nunmehr restlos der Bewegung angeschlos­sen hätten. Dass dies bei der gesamten I. Torpedoflottille nur zu dem Zwecke ge­schah, um sich in der Folge in die innere Bucht von Cattaro zurückzuziehen und beim Auslaufen von den meuternden Schiffen nicht beschossen zu werden, was wiederholt angedroht wurde, war naturgemäss infolge gänzlichen Aufhören jeglichen Kontaktes unbekannt. Gegen Mittag verliess »Cleopatra« (Wohnschiff der deutschen U-Station) die Vertäuung neben »Gäa« und ging in die Bai von Risano. Sämtliche kaiserlich deutschen U Boote hatten sich schon im Laufe der Nacht dahin zurückgezogen. Da es unmöglich erschien, innerhalb der vbm Kriegshafenkommando gestellten dreistündigen Frist, welche um 1 Vi h p.m. ablief, eine Einigung zu erzielen, bzw. die Besprechungen der Delegierten an Bord der übrigen Schiffe durchzuführen, sprach ich beim Kriegshafenkommando um eine Verlängerung der Frist an und wur­— 198 —

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