ARHIVSKI VJESNIK 1. (ZAGREB, 1958.)
Strana - 199
den 2 Stunden — also bis ca. 3 V2 h p.m. zugebilligt. Etwas nach 1 h brachte der früher erwähnte Titular-Bootsmann RASCH in einem Motorboote der Seeflugstation Kumbor den Flugbeobachter, Seefähnrich d. R. Anton SESAN an Bord und mit diesem Augenblicke wendete sieh die Situation sichtlich zum Schlechteren. 5 ) Derselbe Hess die Mannschaft sofort antreten, hielt in kroatischer und italienischer Sprache zündende Reden, in welchen er hervorhob, dass er zur Einsicht gekommen sei, dass der Mannschaft ein denkendes Haupt fehle, welches ihre Ansichten und Forderung vollvertrete und erklärte^ hierauf, das Kommando zu übernehmen. Er teilte auch der Mannschaft mit, dass er im Besitze von Radiodepeschen sei, wonach zur selben Zeit auf der englischen, französichen und italienischen Flotte ebenfalls Revolten behufs sofortiger Beendigung des Krieges ausgebrochen seien und dass sich die Aufstandsbewegung bei der eigenen Marine auf alle Stationen und sämtliche Küstenstädte ausgebreitet habe. Er forderte von der Mannschaft Disziplin und schärfte ihr besonders ein, die Offiziere als unantastbar zu betrachten, da sonst ihre Sache verloren sei. Schon um diese Zeit konnte aber auch ein Zwiespalt unter der Mannschaft bemerkt werden, da sich während der Ansprache des Seefähnrichs ein grösserer Teil derselben nicht auf Deck befand, in den unteren Schiffsräumen aufhielt und sichtliche Annäherungsversuche an die Stabspersonen machte. Diese Leute — durchwegs deutscher und ungarischer Nationalität — waren gänzlich unbewaffnet, da sich die Waffen nur in Händen der Italiener, Tschechen und eines Teiles der Kroaten 6 ) befanden. Der Stab selbst war während des Mittagsessens, unter dem Vorwande, dadurch ein sofortiges Streichen der roten Flaggen zu erwirken, entwaffnet worden. " Der angestrebte Zweck war hiedurch zwar nicht erreicht worden, da die roten Flaggen trotz der Versprechungen nicht eingeholt wurden, doch spielte das Abliefern der Waffen in Anbetracht der soweit gediehenen Ereignisse ohnehin keine Rolle mehr, da ein Eingreifen des Stabes mit Waffengewalt, wie schon eingangs erwähnt, von den nachteiligsten Folgen für die gute Sache gewesen wäre und ein erfolgloses Blutvergiessen mit darauffolgendem Massakre des Stabes hervorgerufen hätte. Speziel in Anbetracht des vorhin erwähnten Umstandes, dass ein immer grösser werdender Teil loyaler Mannschaft in Gegensatz zu den Meuterern zu treten begann und eine sichüiche Annäherung dieser loyalen Leute an den Stab zu bemerken war, dürften dieselben nicht der Stütze des Stabes, die im entscheidenden Momente unbedingt notwendig war, geraubt werden. Nur vollkommen ruhige Überlegung, Ausnützen sämtlicher, für die gute Sache günstiger Momente und List konnte noch einen Ausweg aus der bis zum Äussersten gediehenen Situation finden lassen. Das mir stets vor Augen schwebende Ziel war, bei Erhaltung der Einheiten, ohne Blutvergiessen der Meuterer Herr zu werden und wurde ich hiebei durch den beruhigenden Einfluss der älteren Offiziere, vor allem meines vorzüglichen Stabsschefs, auf die jungen, leicht, übersprudelnden und unüberlegt handelnden Stabspersonen tatkräftigst unterstützt. Der am achtern Freideck versammelte Stab konnte nunmehr noch folgende Vorgänge beobachten: 1 h 45 p.m. »Helgoland« und »Novara« anheizen, 2 h p.m. be— 199 —