Evangélikus Elemi Iskola, Budapest, 1882

19 das Resultat ohne harte Zwangsmittel erreicht wurde, wenn das Kind zur sittlichen Freiheit herangebildet wurde, die den Men­schen befähigt, das Rechte und Gute aus eigener Erkenntniss und Entscliliessung aus Liebe zum Guten zu thun, nicht aber aus Furcht vor der Strafe gut und tüchtig zu sein und zu bleiben. Und dann steht es noch sehr im Zweifel, ob man sittliche Ver­wahrlosung in allen Fällen auch immer mit dem Stocke heilen kann; weit mehr Wirkung erzielen Liebe und Religiosität. Trotz alledem ist es auch meine bescheidene Meinung, dass die Volksschule heute noch nicht gänzlich der körperlichen Züchtigung entbehren kann. In man­chen, weniger gebildeten Familien dominirt der Stock noch so sehr, dass deren Kinder gegen jede sanftere Behandlungsweise fasst gänzlich unempfindlich sind; andere wieder stehen bereits auf einer solchen Stufe der sittlichen Verkommenheit, dass sie nur mit dem Stocke zur Umkehr zu zwingen und wieder auf den richtigen Weg zu treiben sind, ohne denselben aber gänzlich zu Grunde gehen würden. In solchen Fällen ist es des Lehrers Pflicht, die Anwendung des Schulcepters nicht unversucht zu lassen und nur Mangel an pädagogischer Erfahrung und eine krankhafte Sentimentalität können es dem gewissenhaften Lehrer verargen, wenn er auch diese seine Pflicht erfüllt. Pestalozzi spricht sich dies bezüglich treffend folgendem!assen aus : „Du kannst in Zuchthäusern und Irrenhäusern die Folgen deiner Schwäche sehen und unter Thränen und Wuth der Jammerstimme ausspre­chen hören: „Hätte mich mein Vater und meine Mutter bei der ersten Bosheit gezüchtigt, so wäre ich jetzt kein Scheusal vor Gott und Menschen.“ Und damit schliesst diese Abhandlung. Ich weiss recht wohl, dass ich darin nichts Neues gesagt habe, — dass ich das, was ich sagte, durch gelehrte Erläuterungen nicht unter­stützte; vielleicht meine Behauptungen auch nicht gründlich genug gliederte. Wenn ich mich trotzdem entschloss, sie zu schrei­ben, so geschah dies aus dem Grunde, weil ich — fern von jeder Eitelkeit und ohne irgendwelche Anmassung — der Wahrheit derart das Wort reden wollte, dass meines Herzens redlicher Wille dahin strebte, die Lehren und Wahrheiten der neueren, auf psychologischen Forschungen beruhenden, wissenschaftlichen Pädagogik durch aus eigner Erfahrung geschöpfte Beispiele wei­teren Kreisen bekannter und verständlicher zu machen— und habe meinen Zweck erreicht, wenn durch deren Lecture Manche zu der Erkenntniss kommen, dass sie in ihren Erziehungswerken nicht immer richtig verfahren sind und wenn manche Mutter, über­zeugt, dass des Vaterlandes Jugend, des Vaterlandes Zukunft birgt, sich dadurch angeeifert fühlt, ihre Kinder nach besten Wissen und Gewissen zu tüchtigen Männern und Frauen zu er­ziehen, auf das sie mitarbeite an der erhabenen Aufgabe red­licher Patrioten, die Alle dahin streben: „u user Volk durch sittlichen Wert seines Ruhmes imme r würdiger zu machen!“ Anton Falvay ____:____ Q*

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