Kenyeres István (szerk.): Urbs. Magyar Várostörténeti Évkönyv XV. - Urbs 15. (Budapest, 2021)
Resümee
Resümee 431 Géza Pálffy Omne regnum in se ipsum divisum desolabitur Die Inschrift und die repräsentative Rolle des Michaelertors von Preßburg in der Frühen Neuzeit Das Michaelertor von Preßburg (ung. Pozsony, heute: Bratislava, SK) trägt eine besondere lateinische Inschrift: „OMNE REGNVM IN SE IPSVM DIVISVM DESOLABITVR 1712”. Obwohl das an die Bibel angelehnte Zitat (Mt 12,25; Mk 3,24; Lk 11,17) seit Jahrhunderten eine besondere Sehenswürdigkeit der Stadt darstellt, wurde es bislang weder von der ungarischen noch von der slowakischen Stadt-, representations- oder inschriftengeschichtlichen Forschung durchleuchtet. Die Studie versucht dieses Forschungsversäumnis in mehrerlei Hinsicht nachzuholen. Einerseits wird geprüft, wann die Inschrift auf das besterhaltene Tor von Preßburg angebracht wurde. Andererseits untersucht die Arbeit, welche Rolle sie in der Neuzeit im politischen Diskurs der ungarischen Stände spielte. Schließlich wird durchleuchtet, welche Rolle die verschiedenen Inschriften in der frühneuzeitlichen Hauptstadt des Königreichs Ungarn in der symbolischen politischen Kommunikation der Stände spielten. Ausgehend von meinen systematischen Forschungen lässt sich Folgendes festhalten. Obgleich auf der vergoldeten Metalltafel zweifellos die Jahreszahl 1712 steht, könnten die Worte Jesu bereits seit dem Spätmittelalter auf der äußeren Seite des Stadttors zu lesen gewesen sein - mit Sicherheit seit dem Jahr 1646, das uns derzeit als erstes Datum aus der deutschsprachigen Reisebeschreibung von Martin Zeiller (Newe Beschreibung deß Königreichs Ungarn... Ulm 1646) bekannt ist. Die Inschrift wurde ursprünglich mit goldenen Buchstaben auf das Brückentor der Barbakane angebracht, sie wurde anschließend nach der Krönung von Karl III. zum ungarischen König am 22. Mai 1712 in Metall gegossen; die Zeremonie „krönte“ einen grundlegenden politischen Ausgleich zwischen dem Habsburger Hof und den ungarischen Ständen. Die vergoldete Tafel war bereits am 11. Juni auf dem Stadttor zu sehen. Die ursprünglich im Auftrag der königlichen Freistadt angefertigte Inschrift wurde bald zu einem oft zitierten Element im politischen Diskurs der Stände, was in erster Linie daran lag, dass sie die Politiker - in Anlehnung an die Worte Jesu an die Pharisäer - anstelle der divisio (Gespaltenheit) zur concordia (Einigkeit) mahnte. Die Inschrift wurde unter anderem auf den Preßburger Landtagen von 1712, 1741, 1833, 1840 und 1844, darunter im Jahre 1833 auch vom Verfasser der ungarischen Nationalhymne, dem Abgeordneten Ferenc Kölcsey zitiert. Besondere Aufmerksamkeit verdient, dass das Zitat häufig gemeinsam mit einer anderen lateinischen Sentenz von ähnlichem Inhalt erwähnt wurde (Nam concordia parvae res crescunt, discordia maximae dilabuntur), die aus einem Werk des römischen Geschichtsschreibers Gaius Sallustius Crispus (86-35 v. Chr.), dem Bellum Iugurthinum stammt (Jug 10,6). Letzteres Zitat war im frühneuzeitlichen Preßburg ebenfalls an öffentlicher Stelle zu lesen: am Haus der Bür