Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

Von der Befreiung des Landes bis zur Schaffung Groß-Budapests (1945-1950)

Die Anfänge des Wiederaufbaus der Stadt Das Budapester Nationalkomitee übernahm die Aufgabe, das Leben in der zerstörten Stadt wieder in Gang zu bringen. In den letzten Tagen der Belagerung nahmen die in der Illega­lität lebenden Führer der Kommunistischen Partei die Beziehungen zu den sich ebenfalls in Budapest verborgen gehaltenen Funktionären der während der deutschen Besetzung gebildeten Ungarischen Front auf. Gleich nach der Befreiung Pests, am 21. Januar, wurde das Budapester Nationalkomitee gebildet. Ihm gehörten neben den Vertretern der Kommunistischen Partei Ungarns auch die Delegierten der Sozialdemokratischen Partei Ungarns, der Unabhängigen Partei der Kleinen Landwirte, der Nationalen Bauernpartei und der Gewerkschaften an. Sofort nach der Befreiung der einzelnen Bezirke wurden auch dort in ähnlicher Zusammensetzung die Nationalkomitees auf Bezirksebene gebildet. Ihr Einfluß erstreckte sich auf alle Gebiete der Hauptstadt, die den Weg der demokratischen Entwicklung beschritt. Das Budapester Nationalkomitee übte in verschiedenen Beziehungen auch die Funk­tionen der Provisorischen Nationalen Regierung aus, die ihren Sitz noch in Debrecen hatte. Seine Bedeutung wurde dadurch erhöht, daß anfangs die Funktionäre der Parteien an seiner Tätigkeit teilnahmen. Die Nationalkomitees basierten auf den Prinzipien des nationalen Zusammenschlusses und der antifaschistischen Koalition. Sie traten, durch­drungen vom Gefühl der revolutionären Demokratie, konsequent für die Entnazifizierung und die Beseitigung der Überreste der konterrevolutionären Epoche ein. In den National­komitees von Budapest hatten die revolutionären Kräfte die Mehrheit, und die Arbeiter­parteien spielten bei der Wiederbelebung der Stadt eine entscheidende Rolle. Die Konsti­tuierung der bäuerlichen Parteien — so der Unabhängigen Partei der Kleinen Landwirte beziehungsweise der Nationalen Bauernpartei — erfolgte langsamer, und die bürgerlichen Parteien, die erhebliche Kräfte eingebüßt hatten, traten mit großer Verspätung ins öffent­liche Leben. Auf den ersten Sitzungen des Budapester Nationalkomitees wurden der Bürgermeister, der Polizeipräsident und der Vorsitzende des im Wiederaufbau der Stadt so wichtigen Rates für Öffentliche Arbeiten gewählt. Das Komitee widmete dem System der öffentlichen Ver­sorgung, der Organisation der öffentlichen Verwaltung, der öffentlichen Dienste und der Produktion im allgemeinen große Aufmerksamkeit. Es setzte an die Spitze der unbetreuten Ämter, Institutionen und Betriebe neue Leiter. Es sorgte für die Wiederaufnahme der Tätigkeit im Unterrichts- und Gesundheitswesen und im kulturellen Leben. Auf Landes­ebene veranlaßte das Komitee die Bildung von Volksgerichten zur Verurteilung der Kriegs­verbrecher. Das Komitee begann die Untersuchung der faschistischen Schreckenstaten, es organisierte die Durchführung des Rechtfertigungsverfahrens der öffentlichen und Pri­vatangestellten und wirkte bei der Auflösung der faschistisch gerichteten Organisationen und Vereine mit. János Csorba, Mitglied der Partei der Kleinen Landwirte, war der erste Bürgermeister der befreiten Stadt. Jede Arbeiterpartei stellte einen Vizebürgermeister. Unter der Leitung des Budapester Nationalkomitees und mit der Hilfe der demokratischen Parteien und nicht zuletzt dank der opferbereiten Arbeit der Budapester Bevölkerung nahm die öffentliche Verwaltung ihre Tätigkeit wieder auf. Da die Brücken gesprengt und die Verbindung mit 63

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