Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

Budapest zwischen den beiden Weltkriegen (1919-1945)

Schaftskonjunktur konnten nicht darüber hinwegtäuschen, daß es das letzte Friedensjahr, der Auftakt zum Krieg war. Obwohl die herrschenden Klassen in Ungarn sich nicht mit dem Pfeilkreuzlerprogramm identifizierten und sie eine gewisse Unabhängigkeit von Hitler-Deutschland bewahren woll­ten, gerieten sie wirtschaftlich und politisch doch immer mehr in Abhängigkeit von Berlin. 1938/39 wurden vom Parlament mehrere Rassengesetze votiert (Artikel 15/1938, Artikel 4/1939), die die zu Juden erklärten Staatsbürger ihrer Stellung, ihrer Arbeit beraubten, ihre staatsbürgerlichen und Menschenrechte einschränkten oder entzogen. Vom Anfang des Jahres 1940 an wurden die im Dienst der Hauptstadt und ihrer Anstalten beschäftigten Juden (Arbeiter, Angestellte, Lehrer, Rechtsanwälte, Richter usw.) entlassen oder in Gnadenpension geschickt, 1941 und 1942 wurden auch die autonomen Körper­schaften Budapests „entjudet“. Nahezu 30 Stadtvätern wurde das Mandat entzogen, über 40 Ersatzmitglieder wurden aus dem Munizipalrat gestrichen. Dadurch wurde vor allem die Position der linken Opposition, besonders des liberalen Bürgertums erschüttert. Im Dezember 1938 wurden 410 überwiegend oppositionelle linke bürgerliche Blätter und Presseerzeugnisse der Arbeiterbewegungen verboten. Der weitere Rechtsruck, die Rassengesetze, Ungarns Eintritt in den Weltkriegim Jahre 1941 an der Seite Hitler-Deutschlands, das alles verursachte massenhafte Emigrationen. Derart verließen auch international hervorragende Persönlichkeiten des politischen, wissenschaft­lichen und künstlerischen Lebens das Land. In jener Zeit kehrte auch Béla Bartók aus Protest gegen den Faschismus Ungarn den Rücken. Budapest, ja ganz Ungarn wurden bis 1941 zwar oft als „Insel des Friedens“ bezeichnet, doch der Krieg drückte dem Leben seinen Stempel auf. In der Nacht vom 13. Oktober 1937 fand der erste Probealarm statt, im Oktober 1938 begann der Bau des ersten öffentlichen Bunkers auf dem Barossplatz. Die Mehrzahl der Betriebe wurde zu Rüstungs- oder kriegswichtigen Betrieben erklärt. Neben der Schwer- und Rüstungsindustrie wurden auch die Wasser-, Elektrizitäts- und Gaswerke der Stadt unter Militärkontrolle gestellt. Trotzdem war die Stadt für einen Krieg nicht entsprechend ausgerüstet. Sie verfügte über nur mangelhafte Lebensmittel- und Warenvorräte, der schwarze Markt blühte, und vor den Geschäften stand man Schlange. Diesen Zustand konnte die Einführung von fleischlosen Tagen kaum verbessern. An diesen Tagen wurde kein Fleisch verkauft, und in den Restaurants wurden keine Fleischspeisen serviert. Ab April gab es Zucker- und Fett­marken, denen bald auch andere folgten. Schließlich wurde im Rahmen eines komplizierten Rationierungssystems vom Brot bis zur Seife alles nur auf Marken verkauft. In den ersten Kriegsjahren entstand auf Initiative und unter Leitung der kommunisti­schen Partei die ungarische Unabhängigkeits- und Widerstandsbewegung, die bereit war, alle Gesellschaftsschichten, die den Austritt aus dem Krieg und die Demokratisierung des Landes befürworteten, zu vereinigen. Am 6. Oktober 1941 kam es an der Gedenkstätte des ehemaligen Ministerpräsidenten Batthyány anläßlich des Gedenktages der Märtyrer von Arad, an dem nach der Niederlage des Freiheitskampfes von 1848 13 Honvédgenerále und auch der Ministerpräsident hingerichtet worden waren, zu einer antifaschistischen Demonstration. Am 1. November wiederholte sich diese Aktion an den Gräbern von Lajos Kossuth und Mihály Táncsics. 1941 stand die Weihnachtsnummer der „Népszava“ gleich­falls im Zeichen des antifaschistischen Kampfes. 1942 gab auch die kommunistische Partei 60

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