Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)
Budapest zwischen den beiden Weltkriegen (1919-1945)
unter dem Titel „Szabad Nép“ (Freies Volk) eine Zeitung heraus. 1943 wurde aus der Kommunistischen Partei Ungarns die Friedenspartei, in deren Leitung János Kádár eine wichtige Rolle zukam. Im Februar 1942 wurde das Ungarische Historische Gedenkkomitee gebildet. Es war das legale Führungsorgan der antifaschistischen Unabhängigkeitsbewegung. Zu seinen Gründern gehörten der Kommunist Gyula Kállai, der Oppositionsabgeordnete Endre Bajcsy-Zsilinszky, Gyula Illyés, Zoltán Kodály und der Historiker Gyula Szekfű. Am 15. März 1942 veranstaltete das Gedenkkomitee am Petöfidenkmal die größte Budapester antifaschistische Demonstration. Am 19. März 1944 besetzte die Naziarmee Ungarn und damit wurde das Land direkte Operationsbasis der deutschen Heeresleitung. Auf Veranlassung der Gestapo und der ungarischen Behörden wurden nicht nur Politiker der Linken und der Opposition in Konzentrationslager verschleppt, sondern auch deutschfeindlich gesinnte Regierungspolitiker wie Endre Bajcsy-Zsilinszky. Die politischen Parteien wurden aufgelöst und die Zeitungen der Opposition verboten. Im April wurde die jüdische Bevölkerung zum Tragen des gelben Sterns gezwungen und in hierzu bestimmten Häusern zusammengepfercht. Die deutsche Besetzung hatte die Bombardierung Ungarns und Budapests durch die Alliierten zur Folge. Der erste große Bombenangriff erfolgte am 3. April 1944. Danach standen Fliegeralarm und Bombenteppiche auf der Tagesordnung. Zusammen mit militärischen Objekten wurden Wohnviertel und öffentliche Gebäude zerstört, und die Zahl der Todesopfer und Verletzten stieg ständig. Am 15. Oktober 1944 unternahm Nikolaus von Horthy einen unvorbereiteten Versuch zum Austritt aus dem Krieg, der mißlang. Er und seine Familie wurden nach Deutschland transportiert, in Budapest aber, von Horthy beauftragt, übernahmen der „Führer der Nation“, Ferenc Szálasi, und seine Pfeilkreuzlerpartei die Macht. Hemmungsloser Terror, allgemeines Chaos und die Lähmung des Lebens der Stadt waren die Folge. Pfeilkreuzler übernahmen die Stadtverwaltung, das Militärgefängnis auf dem Margaretenring (er heißt heute deshalb Mártírok útja [Straße der Märtyrer]) füllte sich mit politischen Häftlingen. Die jüdische Bevölkerung wurde in Gettos gebracht, und auch aus Budapest begann ihr Abtransport in die faschistischen Konzentrationslager. Am Donaukai wurden sie zusammen mit linksgesinnten Patrioten zu Hunderten erschossen. Trotzdem konnte die Widerstandsbewegung nicht gebrochen werden. Im Mai erfolgte die Bildung der Ungarischen Front. Immer öfter gab es Schießereien zwischen Anhängern der Linken und den Nazis und ihren ungarischen Kollaborateuren. In einem solchen Kampf fiel auch Endre Ságvári, ein Führer der Kommunistischen Partei Ungarns. Im Oktober wurde das Standbild von Gyula Gömbös, dem ehemaligen Ministerpräsidenten und Repräsentanten der extremen Rechten, gesprengt, und im Dezember explodierte im Stadttheater, wo sich die Pfeilkreuzler versammelt hatten, eine Bombe. Das Befreiungskomitee der Ungarischen Nationalen Erhebung erfaßte die verschiedenen bewaffneten Gruppen, deren Leiter, Endre Bajcsy-Zsilinszky, Vilmos Tarcsay und János Kiss, ebenfalls den Märtyrertod starben. Die Bevölkerung folgte dem Aufruf der Widerstandsbewegung und führte den Evakuierungsbefehl nicht aus. Sehr oft konnte sie die Demontage oder Zerstörung von Fabriken verhindern (die Wasser- und Gaswerke, das Kraftwerk in Kelenföld, die Textilfabrik 61