Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)
Budapest zwischen den beiden Weltkriegen (1919-1945)
städtischen Verkehrsmitteln stieg im Laufe von zwanzig Jahren um 100 Millionen. Der Preis eines Umsteigers in der Straßenbahn entsprach jedoch nahezu dem Durchschnittsstundenlohn eines Facharbeiters, und noch teurer war der Omnibusverkehr, der in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre einsetzte. Die Inbetriebnahme der elektrischen Zahnradbahn im Jahre 1929 und einer Oberleitungsomnibuslinie in Óbuda im Jahre 1933 galten damals als Kuriosum. Die Verbindung zwischen Pest und Buda wurde durch den Bau mehrerer Brücken verbessert, so der Brücke am Borárosplatz (sie wurde damals nach Nikolaus von Horthy benannt, heute heißt sie Petöfibrücke) und der Ärpädbrücke. 1928 wurden die ersten Verkehrsampeln in Budapest angebracht. Zwischen den beiden Weltkriegen begann auch der zivile Flugverkehr, zunächst vom Flugplatz Budaörs aus. Später kaufte die Stadtverwaltung für den Bau eines Flughafens das Gelände von Ferihegy. Im Zeichen der Kommunalpolitik wurden im Januar 1923 die Vereinigten Hauptstädtischen Verkehrsbetriebe AG und 1928, ein halbes Jahr nach der Geldstabilisation, der Einführung des Pengő, und vier Jahre nach der Gründung der Ungarischen Nationalbank die Budapester Stadtsparkasse (Budapest Székesfőváros Községi Takarékpénztár) gegründet. 1927 kaufte die Stadtverwaltung das Palais Wenckheim, das seitdem die Zentrale der Hauptstädtischen (heute Ervin Szabó) Bibliothek ist. Im folgenden Jahr wurde das Palais Károlyi erworben, wo ein Museum und eine Gemäldegalerie untergebracht wurden (heute Petofi-Literarisches Museum). Aus den auf der Budapester Generalversammlung von der Opposition dargelegten Interpellationen sind die Alltagssorgen einer Millionenstadt, aber auch die Versäumnisse der Stadtverwaltung erkennbar. So wurden die bereits „chronischen“ Störungen in der Wasserversorgung angeprangert, es wurde über den planlosen und deshalb sehr kostspieligen Straßenbau, die überfüllten Straßenbahnen und Omnibusse geklagt. Die öffentlichen Verkehrsmittel waren so teuer, daß Budapest in dieser Hinsicht an der Spitze der europäischen Großstädte lag. Der Straßenbahnverkehr sollte dem Arbeitsbeginn in den Fabriken Rechnung tragen, und bereits 1927 drang man auf Maßnahmen zum Umweltschutz. Die Störung der Nachtruhe durch lautstarke Rundfunkgeräte und der durch Autos und Motorräder verursachte Lärm wurden beanstandet. Den Kindern sollte freie Bewegung in den öffentlichen Anlagen gewährt werden. Der Bau einer Untergrundbahn unter dem Großen Ring und die Einstellung des Straßenbahnverkehrs wurden verlangt. Die Traditionen und die während der beiden Weltkriege durchgeführten Bauten bewahrten und bereicherten das vielgesichtige Stadtbild. Für das Burgviertel war das alte Schloß, umgeben von eleganten Ministerien und schönen Palästen der Aristokratie, charakteristisch. Auf dem Rosenhügel, dem Gellértberg und dem Abhang des Schwabenberges (heute Freiheitsberg) wurden die Villenviertel der reichen Bürger ausgebaut. Der Charakter des damaligen XI. und XII. Bezirkes wurde nicht zuletzt von den freundlichen Miets- und Mehrfamilienhäusern der besser gestellten öffentlichen Angestellten bestimmt. In dem damaligen VIII. und IX. Bezirk in Pest standen dagegen dicht aneinandergedrängt kahle Mietskasernen, in denen Arbeiter und Kleinbürger wohnten. Man kann sagen, sie lebten in einer anderen Welt als die reichen Bürgerfamilien der Innenstadt und der Neuen Leopoldsstadt (heute 56