Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

Budapest zwischen den beiden Weltkriegen (1919-1945)

der V. und der südliche Teil des XIII. Bezirks). Der damalige XIII. Bezirk, ein Industrie­bezirk mit dem Namen Angyalföld und die Väciallee und Umgebung bildeten zusammen mit dem „roten Csepel“ die Hochburg der Budapester Arbeiterklasse. Die Kämpfe der Budapester linken Opposition Die konterrevolutionäre Stadtleitung mußte vom Moment der Machtübernahme an mit einer recht bedeutenden linken Opposition rechnen, deren Kraft sie nicht brechen konnte. Den Großteil der Linken bildeten die Industriearbeiter und die Arbeiterbewegung. Trotz der 1921 zwischen der Regierung und den sozialdemokratischen Führern getroffenen Ab­machung stellte die organisierte Arbeiterklasse den politischen und wirtschaftlichen Kampf nicht ein. Die Leidtragenden der dem Kriege folgenden Inflation, die sich bis 1924 hinzog, und der Weltwirtschaftskrise 1929—1931 waren in erster Linie die Arbeiter und Klein­verdiener. Diese Wirtschaftsschläge, zu denen sich ein Lebensstandard gesellte, der wesent­lich niedriger als in Westeuropa war sowie eine Wirtschaftspolitik, die eine antidemokra­tische Disproportion in der Verteilung der öffentlichen Lasten zur Folge hatte, drückte die Lebensbedingungen der Kleinbürger auf das Niveau der Arbeiter herunter, und im Kreise der Arbeiterschaft war die Arbeitslosigkeit eine ständige Begleiterscheinung. Eine spürbare, allerdings nur zeitweilige Verbesserung brachte die Konjunktur vor dem zweiten Welt­krieg. Die Einführung der Arbeitslosenunterstützung wurde nicht nur von der Regierung und dem Parlament, sondern auch von der Budapester Generalversammlung abgelehnt. Als Ersatz wurden sogenannte elendlindernde Aktionen durchgeführt. (So die von Jenó' Sipó'cz geförderte Aktion „Ein Teller Suppe“ und die Volksküche „Onkel Robert“ auf dem Calvin­platz.) Die Arbeitslosen mit Hochschulbildung fanden beim Schneeschippen und bei sonstigen Gelegenheitsarbeiten vorübergehend Beschäftigung. So bewarben sich 1930 um 600 derartige Möglichkeiten 10 000 Personen. Ermuntert durch die wirtschaftliche und politische Unzufriedenheit bildeten 1925 die linke sozialdemokratische Opposition und die illegale Kommunistische Partei die Sozia­listische Arbeiterpartei Ungarns. Sie forderte bis 1928 legal die demokratische, sozialistische Umgestaltung des Landes und sah für die Arbeiterschaft einen entscheidenden Einfluß in der Stadtverwaltung vor. Die Streiks und Demonstrationen, die einander in den zwanziger Jahren folgten, wurden infolge der Weltwirtschaftskrise noch häufiger. Am 1. September 1930 fand die größte Budapester Arbeiterdemonstration zwischen den beiden Weltkriegen statt. An diesem Tag marschierten mehrere Zehntausende von Arbeitslosen, die Arbeit und Brot forderten und Hochrufe auf die Diktatur des Proletariats und die Sowjetunion ausbrachten, durch die Straßen der Stadt. Die Polizei schritt ein, und die friedliche Demonstration endete mit einem Todesopfer und mehreren Hundert Verletzten. Für die Zeitgenossen bedeutete der 1. September 1930 einen Nachklang der Revolutionen. Die Regierung antwortete mit der Einführung des Standgerichts und des Versammlungsverbots. Diese Maßnahmen konnten die Kraft der Arbeiterbewegung nicht brechen. Der sozial­demokratischen Partei gehörten hunderttausend organisierte Arbeiter an, und auch der Einfluß der Kommunisten in den Fabriken Budapests nahm zu (Elektrowerke Ganz, 57

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