Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

Budapest zwischen den beiden Weltkriegen (1919-1945)

Japan. Politische Diskussionen wurden eher im Café Pilvax ausgetragen. Auch die Zusam­menkünfte der liberal-bürgerlichen Opposition fanden vor allem in Cafés und Restaurants statt. Versammlungen der Arbeiter konnten als Tischgesellschaft getarnt werden. Obwohl das Tempo und die Proportionen der Stadtentwicklung der rechtsgesinnten Stadtverwaltung unterstanden und die Erledigung der Aufgaben durch den Rat für Öffent­liche Arbeiten schwerfällig und nicht selten durch Korruption belastet war, zeigten sich in den dreißiger Jahren unbedingt wahrnehmbare Veränderungen im Stadtbild. Es kam zu einer Modernisierung. Bezeichnend für die Entwicklung ist, daß zwischen 1920 und 1941 die Zahl der Ge­bäude in Budapest um ungefähr 50 Prozent zunahm. Da es sich jedoch zum größten Teil um öffentliche Gebäude handelte, blieb die Wohnungsfrage immer ein ungelöstes Problem. Die unmodernen und dürftig ausgestatteten Arbeiterwohnungen und die nach österrei­chischen Großherzoginnen (Augusta, Zita, Maria Valeria) benannten Elendsviertel waren überfüllt. Erst Ende der dreißiger Jahre begann ihr teilweiser Abbruch. Damals zeigten sich die Ergebnisse der Kleinwohnungsbauaktion. Noch 1930 wohnte die Hälfte der Buda­­pester in Einzimmerwohnungen. In jeder fünften nach 1921 gebauten Wohnung gab es keine Wasserleitung und in 17,2 Prozent der Wohnungen keinen elektrischen Strom. Trotz­dem stieg zwischen 1920 und 1940 die Zahl der Stromverbraucher auf das Doppelte. In der Bauweise der Mehrfamilienhäuser in Buda war die Bauhaus-Tendenz, die moderne Tendenz jener Zeit, maßgebend, während an der Peripherie der Stadt Angestellte mit bescheidenen Einkünften und Arbeiter von ihren Ersparnissen Einfamilienhäuser mit Gärten bauten, die den Stempel der Armut trugen. Das Stadtbild veränderte sich zusehends, als 1933 mit dem Abbruch der Häuser im Tabán begonnen wurde (ein alter Stadtteil, der sich von der Nordseite des Budaer Brücken­kopfes der Elisabethbrücke den Burgberg hinaufzog und der auch in seiner Armut malerisch wirkte). Damals erhielten die Fischerbastei, die Matthiaskirche und die Kettenbrücke erst­malig eine Festbeleuchtung. Einem Gesetz aus dem Jahre 1930 zufolge wurde die Plaupt­­stadt, die damals nur zehn Bezirke hatte, um vier erweitert, was größere Bauvorhaben zur Folge hatte. Es gelang jedoch nicht, Groß-Budapest zu schaffen, d. h. die Eingemeindung der Randbezirke zu erreichen. Unter dem Motto „Budapest, die Bäderstadt“ sollte der Fremdenverkehr, der in den zwanziger Jahren einen Aufschwung genommen hatte, weiter gefördert werden. Es ent­standen deshalb auf der Margareteninsel das Palatinus-Freibad und das Nationale Sport­schwimmbad. Im Stadtwäldchen wurden das Széchenyibad, an der Donau das St.-Imrebad und im Hotel Gellért das Wellenbad gebaut. 1927 wurde das Reisebüro IBUSZ, auch heute die Zentrale des Fremdenverkehrs, gegründet. Zu den neuen Gebäuden gehörten das Radium-Krankenhaus auf demBakáts-Platz, das Unfallkrankenhaus, die Krankenhäuser in der Péterffy- Sándor- Straße und in der Kút­völgyi-Straße. In verschiedener Hinsicht wurde das Stadtbild in den zwanziger und dreißiger Jahren durch den Bau des Freihafens Csepel, der Zentralen Markthalle, des Millenniums­sportplatzes, der Sporthalle, der Kunsteisbahn im Stadtwäldchen, der Freilichtbühne auf der Margareteninsel und durch die Standbilder von Kossuth und Rákóczi vor dem Parla­ment vorteilhaft verändert und verschönert. Wenn auch mit den Ansprüchen nicht Schritt gehalten wurde, so entwickelten sich trotzdem die öffentlichen Betriebe und das Verkehrswesen. Die Zahl der Passagiere in den 55

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