Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

Budapests Weg zur Großstadt (1849-1919)

Die überragendste Gestalt unter ihnen war trotz seiner anarcho-syndikalistischen Ansichten Ervin Szabó (1877—1918), dessen Namen die ehemals von ihm geleitete Hauptstädtische Bibliothek trägt. Die Hauptstadt der Räterepublik 1914 trat die Österreichisch-Ungarische Monarchie in den Krieg ein. Das Elend des Welt­krieges, das die sozialen Gegensätze durch ihre Zuspitzung zum Bewußtsein brachte (der wachsende Mangel an Lebensmitteln und Heizmaterial, die niedrigen Kriegsrenten, die Verarmung durch Kriegsanleihen und die alarmierenden Nachrichten über die wachsenden Verluste) ließ auch in erster Linie in Budapest die Keime der Revolution reifen. Nach dem militärischen Zusammenbruch der Habsburger Monarchie am 31. Oktober 1918 ging der Generalstreik der Budapester Arbeiterschaft mit Einschaltung der revolutionären Soldaten in die von Mihály Károlyi geleitete bürgerlich-demokratische Revolution über, die das in Ungarn herrschende System stürzte. Bei dem schnellen Zerfall des Staatsgefüges der alten herrschenden Klasse stellten sich auch das Kleinbürgertum und die Intelligenz in Budapest an die Seite der Arbeiterklasse, die bereits die soziale Revolution vorbereitete. Doch zur Abwendung der ungeheuer angewachsenen gesellschaftlichen Spannung genügten die Errungenschaften der bürgerlich-demokratischen Revolution nicht mehr, zumal unter den besonders zugespitzten Verhältnissen der Großstadt. Das Budapester Proletariat bereitete die Machtergreifung vor, und auch den entscheidenden Schritt zu der sich überall im Lande entfaltenden revolutionären Bewegung machte das Proletariat: am 21. März 1919 proklamierte es die Diktatur des Proletariats. Ebenso wie sich die Widersprüche der bürgerlichen Gesellschaft gerade in Budapest am deutlichsten zuspitzten, bewirkte die ungarische Räterepublik, der erste Versuch eines Aufbaus des Sozialismus, auch vor allem in Budapest die größten und einschneidendsten Änderungen. Die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Maßnahmen der proletarischen Revolution kamen am schnellsten und vielseitigsten in Budapest zur Geltung. Die Sozialisierung der Grundlagenindustrie hat direkt oder indirekt in Budapest die größten Massen berührt, in erster Linie das Proletariat dieser Industriezweige. Unverzüglich wurden die Arbeitsbedingungen und die Lohnverhältnisse verbessert. Die entscheidenden Änderungen brachten den Massen jedoch politische Rechte, die ihre aktive Teilnahme an der Macht im Land und ihre Mitsprache in lokalen Belangen gewährleisteten, in der Stadtverwaltung, die sie am unmittelbarsten berührte und von der sie bisher völlig aus­geschlossen waren. Von einer ebenso befreienden Wirkung war die Sozialisierung der Wirtschaft für die kleinen Gehaltsempfänger, die Schicht des „ Stehkragenproletariats“. Für die in den Städten außerordentlich bedeutende Intelligenz hat der Sozialismus im allgemeinen die Befreiung des Denkens, der Forschung und der Kunst von den traditio­nellen, veralteten und sogar reaktionären Schranken gebracht. Budapest und die Budapester Agglomeration blieben bis zuletzt eine feste gesellschaftlich politische Basis der Räterepublik. In den für die Räterepublik militärisch so kritischen Maitagen hat die Bewaffnung des Proletariats von Budapest, das Eingreifen der Arbeiter­einheiten in den Kampf eine Wendung der verzweifelten militärischen Situation gebracht und den siegreichen nordungarischen Feldzug ermöglicht. Die Unterstützung durch die 48

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