Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

Budapests Weg zur Großstadt (1849-1919)

Die Entwicklung der Großstadt Zur Zeit der Vereinigung der Hauptstadt war Budapest schon zweifellos der bedeutendste Verkehrsknotenpunkt Ungarns, und hier befand sich der größte Waren-, Kredit- und Ar­beitskräftemarkt. Budapest war die menschenreichste Industriestadt des Landes und hin­sichtlich des Stadtbildes und des Systems der öffentlichen Dienste am urbanisiertesten. Die Ansprüche auf Selbständigkeit des Wirtschaftslebens in Ungarn spielten schon beim Ausgleich eine große Rolle. Dank ihrer zentralen Funktionen kamen diese Ansprüche am stärksten in Budapest zum Ausdruck. Hier ging die einheimische bürgerliche Entwick­lung am schnellsten vor sich. Während der fast fünfzig Jahre von 1873 bis zum ersten Weltkrieg erstarkte Budapests Stellung nicht nur in Ungarn, sondern in gewissem Maße auch in ganz Südosteuropa. Im Vergleich zu den Anfängen vor 1873 haben sich bis Ende des Jahrhunderts Kräfte entfaltet, die die Stadt in jeder Hinsicht zu einer ökonomischen Metropole umgewandelt haben. In der durch den Ausgleich entstandenen Österreichisch- Ungarischen Monarchie wurde die Rolle der Hauptstadt des Landes, das seine administra­tive Selbständigkeit wiedererlangt hatte, auch durch zentrale politische und Verwaltungs­funktionen erweitert. Die immer zahlreicher nach Budapest strömenden Massen wurden von der unter den Bedingungen des damaligen Ungarn entwickeltsten bürgerlichen gesell­schaftlichen Struktur aufgesogen. Die Stadt wurde immer mehr erweitert und ausgebaut. Ihr Gebäudebestand war ent sprechend dem Niveau der (grundlegend durch die Klassenverhältnisse differenzierten- Bedürfnisse sehr vielfältig und von unterschiedlicher Qualität. Doch waren sie schon mi) einem einheitlichen und sich immer mehr erweiternden System der öffentlichen Einrichtunt gen versehen und durch ein ausgedehntes Verkehrsnetz verbunden. Die Aufgaben und de- Wirkungsbereich der Stadtverwaltung wuchsen und dementsprechend die Beschäftigtem zahl in den Organen ihres Apparats. Die sich entwickelnde Großstadt wurde naturgemäß­­zura Zentrum des kulturellen und wissenschaftlichen Lebens des Landes und seiner Institu­tionen und beeinflußte durch die Massenkommunikationsmittel der Presse und des Ver­lagswesens die öffentliche Meinung ganz Ungarns. Sie schuf Schritt für Schritt ihre eigene spezielle moderne Großstadtkultur. Die Entwicklung war jedoch nicht gradlinig, nicht frei von Konflikten: Am Ende des Jahrhunderts brachen mit den ersten charakteristischen Zügen des Imperialismus in der kapitalistischen Entwicklung wirtschaftliche, politische und kulturelle Krisen mit unüber­brückbaren sozialen Spannungen und Widersprüchen aus. Sie wurden durch die ersten Schritte der Arbeiterbewegung in der Hauptstadt zu Beginn der siebziger Jahre signalisiert. Von 1873 bis zum Ende des ersten Weltkrieges hob der Ausbau der Eisenbahnen, die jetzt bereits bewußt, faktisch als Regierungspolitik, in Budapest zentralisiert wurden, die Be­deutung der Stadt sowohl auf dem nationalen Binnenmarkt als auch bei der Vermittlung des Handels zwischen Mitteleuropa und dem Balkan. Zur Aufnahme der durch die Stadt transportierten oder hier vorübergehend gelagerten Waren wurden ein zeitgerechter Getreideelevator und mächtige öffentliche Speicher angelegt. Um die Jahrhundertwende führten bereits Eisenbahnlinien aus elf Richtungen über zwei Donaueisenbahnbrücken nach Budapest. Das damals festgelegte Personentarifsystem bezog auch die entlegensten Gegenden des Landes enger in den Anziehungskreis der Stadt ein. Der Bau des Kanals am Unterlauf der Donau (am Eisernen Tor) erhöhte die Leistungsfähigkeit der Donau-42

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