Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

Budapests Weg zur Großstadt (1849-1919)

Schiffahrt ungemein. Das System der Personen- und Güterbahnhöfe der Budapester Ring­eisenbahn wurde angelegt. Pläne eines großen Donauhafens für die Donauschiffahrt wurden erarbeitet. Die Budapester Börse entwickelte sich zum zentralen Produktenmarkt für ganz Ungarn; in Kőbánya (dem heutigen X. Bezirk) entstand das größte Schweine­handelszentrum in Osteuropa. Eine derartige Zusammenballung des Handels und Verkehrs förderte erheblich die bürgerliche Kapitalakkumulation. Bedeutend erstarkten die Banken und Sparkassen der Hauptstadt, die bald als Basis den Kapitalimport aus Deutschland, Österreich und teil­weise aus Frankreich vermittelten. Um die Jahrhundertwende kontrollierten die fünf größten Banken in Budapest fast 60 Prozent des Kreditkapitals des Landes. Durch den Ausbau eines Netzes von Filialen beeinflußten sie immer stärker auch die Kreditgeschäfte der Provinz. Die größten Budapester Banken begannen, zum Teil aus eigener Initiative, zum Teil als Vermittler des westlichen Kapitals, auch auf den Balkan vorzudringen. Seit Ende der achtziger Jahre erhielt, von zeitweiligen Krisen unterbrochen, die 1873 nach dem Zusammenbruch der europäischen Konjunktur der Gründerjahre vorübergehend ins Stocken geratene einheimische Industrieentwicklung neuen Antrieb. Da der Handel infolge der Tendenzen zur wirtschaftlichen Selbständigkeit der Balkanstaaten auf gewissen Gebieten zurückgeblieben war, wurden Wirtschaft und Gesellschaft der Hauptstadt immer stärker von der Industrie geprägt. Die Industrieentwicklung in den letzten Jahrzehnten des Jahrhunderts wurde durch das Eindringen der Banken in die Industrie besonders ge­fördert. (Die fünf großen Budapester Banken kontrollierten 47 Prozent des Grundkapitals der Industrieaktiengesellschaften.) Budapest, der traditionell größte Waren- und von Anfang an größte Finanzmarkt des Landes, hat im Laufe der industriellen Entwicklung Ende des Jahrhunderts seine führende Rolle auch als größte Industriestadt des Landes beibehalten. Die Industrie wurde durch eine breitere Kooperation einzelner Zweige und einzelner Betriebe sowie durch die Zentra­lisation des Verkehrs, der die Rohstoffversorgung auch im Landesmaßstab außerordentlich erleichterte, sehr begünstigt. Die Donau deckte unbeschränkt den Wasserbedarf der Schwer­industrie. Die Entwicklung der Mühlenindustrie verlangsamte sich seit den achtziger Jahren. Die führende Rolle in der Industriestruktur der Stadt ging an den Maschinenbau und die Chemie- und Elektroindustrie über. Nach der Jahrhundertwende entstand durch den Ausbau der Vorstadtbahn rasch ein Vorstadtring. Großanlagen der Schwerindustrie wurden errichtet, was außer durch die Nähe der Großstadt auch dadurch begründet war, daß hier die drückenden Steuerbestim­mungen der Hauptstadt nicht galten. Von den nördlich und südlich der Hauptstadt gele­genen vorstädtischen Industriebezirken auf der Pester Seite muß besonders das mächtige Eisen- und Metallwerk an der Nordspitze der Insel Csepel erwähnt werden, das vornehmlich für die Rüstung arbeitete. Bis zum Vorabend des ersten Weltkrieges entstand in Budapest und seiner unmittelbaren Umgebung die größte Fabrikagglomeration in Ungarn. 1910 produzierten auf dem heutigen Territorium von Budapest 289 Großbetriebe mit mehr als 100 Arbeitern, und in 17 davon waren mehr als 1000 Arbeiter beschäftigt. Bei diesen Prozessen war sowohl als Ursache als auch als Wirkung mitbeteiligt, daß Buda­pest auch in dieser Zeit der größte Arbeitskräftemarkt des Landes blieb, der hauptsächlich von dem im gesellschaftlich-ökonomischen Aufstieg stark eingeschränkten Gesinde der großen Güter aufgefüllt wurde. Die Zahl der Stadtbevölkerung stieg von 270 000 im Jahre 43

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