Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

Budapests Weg zur Großstadt (1849-1919)

Budapests Weg zur Großstadt (1849-1919) (Vergleiche Dokumentenauswahl IX—XVI) Im Jahre 1849 schlug die vereinigte militärische Macht der Habsburger und der Romanows den ungarischen Unabhängigkeitskampf nieder. Doch die ökonomisch-gesellschaftliche Basis, aus der die Errungenschaften der bürgerlichen Revolution hervorgegangen waren, vermochte die Reaktion nicht zu vernichten. Ungarn beschritt unwiderruflich den Weg der kapitalistischen Entwicklung. Der Weg zur Vereinigung Bei dieser Entwicklung erwies sich die Rolle von Pest-Buda nach 1849 als immer bedeutender. Den Habsburgern gelang es nicht, innerhalb des zentralisierten absolutistischen Kaiser­reichs Österreich und innerhalb des einheitlichen Reichszollgebietes die bereits vor 1848 einsetzende Entwicklung der Schwesterstädte (besonders Pest) zum Zentrum des ungari­schen nationalen Marktes und ihre administrative und wirtschaftliche Bedeutung zu liqui­dieren. Zwar wurden in den letzten Wochen des Unabhängigkeitskampfes die rechtlich bereits vereinigten Städte zu diesem Zweck wieder getrennt und das Eisenbahnnetz wurde so geplant, daß es möglichst Pest umging, doch mußte sich letzteres schließlich den in Jahrhunderten gewachsenen, sich in Pest-Buda kreuzenden Linien des einheimischen Han­dels anpassen, und der steigende Verkehr auf der Donau sowie der einheimische Handel (infolge des Agrarcharakters des Landes vornehmlich mit landwirtschaftlichen Produkten) konzentrierten sich in immer größerem Umfang in Pest-Buda. Der Pester Handel mit landwirtschaftlichen Produkten errang zu Beginn der sechziger Jahre bereits in der gesamten Monarchie eine herrschende Position, und sein akkumuliertes Kapital orientierte sich bald auf solche Industriegebiete und Unternehmen, die den Wett­bewerb mit der entwickelteren österreichischen Industrie nicht zu fürchten hatten. Auf der Rohstoffbasis des Pester Marktes entstand hier seit Mitte der fünfziger Jahre bis etwa 1873 bereits die größte Dampfmühlenindustrie Europas, die Ende der sechziger Jahre ihre Erzeugnisse auch nach Südamerika exportierte. Auch die Spirituosenindustrie ent­wickelte sich bedeutend. Zur Befriedigung des ständig wachsenden Bedarfs der Landwirt­schaft und des Landesverkehrs wurden in Pest-Buda Eisen- und Metallindustriewerke, Gießereien und eine ganze Reihe von kleineren und größeren Maschinenbaubetrieben gegründet und ausgebaut, darunter die 1845 gegründeten, aus einer kleinen Eisengießerei hervorgegangenen Ganz-Werke, deren Eisenbahnräder, nach einer patentierten Gußtechnik hergestellt, Ende der sechziger Jahre in ganz Europa verbreitet waren. In die Städte, die immer mehr zu Verkehrs-, Handels- und insbesondere Industriezentren wurden, strömte die Bevölkerung aus dem ganzen Land. Ihre Zahl stieg von 178 000 im Jahre 1851 auf 187 000 im Jahre 1857 und auf 270 000 im Jahre 1869. Es ist charakteri­stisch, daß damals von den 200 000 Einwohnern der Pester Seite bereits 45 000 keine „Ein­geborenen“ waren. 40

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