Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)
Ferenc Vadas: Die Regulierung der Donau und die Kaianlagen
85 Marmor. Dies brachte aber solche Zusatzkosten mit sich, dass als Ausgleich an manchen Stellen billigere, stufige Ladekaiabschnitte gebaut werden mussten, und zwar an drei Stellen: im oberen Teil des Abschnittes zwischen der Margareteninsel und der Kettenbrücke in Pest und auch in Ofen (einander gegenüber), außerdem in Ofen neben dem Rudas-Bad. In den anderen Abschnitten wurde ein Kai aufgebaut, der für das Anlegen größerer Schiffe ebenfalls geeignet war, mit einer senkrechten Uferbefestigung auf dem unteren Kai. Die Stützwand des oberen Ladedammes war auf den zwei Abschnitten gleich senkrecht, und überall wurden Ladedämme mit zwei Ebenen gebaut. Der Kaianlagenbau belief sich auf einen viel kleineren Abschnitt als die Flussregulierung. Er fing nicht weit vor der Linie der Margaretabrücke an und reichte in Ofen bis zum Rudas-Bad, in Pest bis zum Hauptzollamt, das unter der geplanten unteren Brücke zu bauen war. Im oberen und unteren Abschnitt wurde der Fluss zwischen Leitdämme eingezwängt. Die bedeutendste Einengung wurde in dem Abschnitt von Lágymányos, auf der Ofener Seite unter dem Gellértberg, durchgeführt, wo hinter der Abdämmung ein kleinerer See entstand. Dieser wurde lange Zeit belassen, weil man den etwaigen Bau eines Hafens überlegte Umbauten und Erweiterungen bis zum Ersten Weltkrieg Mit einer großen Herausforderung wurden die Kaianlagen erstmals bei der Flut von 1876 konfrontiert, die sie auch bestanden; danach kam es zum ersten Mal zu ihrer Erhöhung (von +858 cm auf +925 cm), dann erneut 1891/92 (auf +1000 cm), damals dergestalt, dass das bereits vorhandene Eisengitter entfernt und ein neues, im Vergleich zum früheren niedrigeres Gitter auf ein Steinpostament gestellt wurde. Vom Ende des 19. Jahrhunderts an wurde ständig darüber diskutiert, ob der Staat oder die Gemeinde die Ladedämme instandhalten sollte. Die Diskussion hielt bis 1916 an, als die Stadt die Kaianlagen in die eigene Verwaltung übernahm. Nach dem großen staatlichen Kaianlagen verlängerte die Hauptstadt 1879-1881 den Pester Kai nach Süden, aber diesmal nicht mehr mit zwei Ebenen, also ohne unteren Kai. In den Jahren 1880-1884 wurde er bis zur Südlichen Verbindungsbahn ausgeweitet. 1898-1899 wurde der Kaiabschnitt unter dem Gellértberg gebaut und 1909 seine Fortsetzung, der Abschnitt vor der Technischen Universität. Dem bis dahin gebauten Ofener Damm gegenüber wurde hier nur ein einfacher, abgedachter unterer Ladedamm gebaut (wie z. B. 1900-1903 der Pester Kai oberhalb der Margaretenbrücke). Der Bau des seit langem geplanten Hafens wurde erst 1912 am nördlichen Teil der Csepel-Insel, über die damalige Verwaltungsgrenze der Stadt hinausgehend, begonnen und dauerte bis zum Jahre 1927.