Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)

Ferenc Vadas: Die Regulierung der Donau und die Kaianlagen

84 Plan wurde zuerst von einem Fachkomitee diskutiert und schließlich angenommen. Der Plan ist auch insofern mit den damals in Vorbereitung stehenden anderen großen Investitionen verbunden, dass er deren künftige Standorte berück­sichtigt: so den Platz der Margaretenbrücke und der die Pester und Ofener Bahnhöfe verbindenden Bahnbrücke, ja sogar noch den Platz der Brücke am Fővámplatz (Hauptzollamtplatz), der heutigen Freiheitsbrücke. Er berücksichtigte drei Häfen: im Donauarm von Újpest und Soroksár und an den beiden Seiten der Bahnbrücke, beim Kopaszi-Damm. Der letztere ist der größte: mit zwei Becken, mit Wasser- und Trockendocks. Obwohl man ihren Ausbau erst in der Zukunft durchführen wollte, löste genau dieser Punkt den heftigsten Widerstand aus, er wurde deshalb auch bald aus dem Plan herausgenommen. Die Einrichtung, auf die man gemäß des Gesetzes Nr. X Rücksicht nehmen musste, war nicht in der Vorlage, obwohl sie erwähnt wurde: Den Bau der Lagerhäuser dachte man sich in enger Verbindung mit dem Hafen (“docks & entrepots”), aber da ihre Stelle von der Platziemng der neuen Brücken und der Verbindungsbahn abhing, deren Gesetzesvorschlag bis dahin noch nicht verabschiedet wurde, blieb die Sache der Häfen und Lagerhäuser ungelöst, nur ihr Standort wurde im Plan berücksichtigt. Die Vorlage sah für die Regulierung der Donau 7,7 Millionen Forint vor, was vom Parlament am 3. März 1871 genehmigt und danach in jährlichen Raten in den aktuellen Haushalt aufgenommen wurde. Für die Fachkontrolle der Arbeit wurde ein ständiges Donau-Regulierungskomitee bestellt, das bis Anfang des Jahres 1875 bestand und berechtigt war, in jeder fachlichen Frage zu entscheiden oder dem Minister eine Vorlage einzureichen. Für die Ausführung der eigentlichen Aufgaben wurde die Donau-Regulierungs-Aufsichtsbehörde geschaffen, für die Verwirklichung führte man einen Wettbewerb durch, den die Österreichische Allgemeine Baugesellschaft gewann. Mit der Ausführung fing man schon 1871 an, und sie wurde bis zur Jahreswende 1876/77 abgeschlossen. Im Jahr 1872 wurden die Pläne geändert. Aufgrund der Meinung ausländischer Experten gestaltete man die beiden Donauarme neben der Margareteninsel (ihre Gesamtweite blieb unverändert) gleich breit, außerdem rückte man bei Csepel die Regulierungslinie des verengten Flussbettes näher an Ofen, und der Arm von Soroksár wurde nicht bei der Mündung, sondern viel weiter innen abgeschlossen. Der Änderung zufolge wurden Größe und Form der Margareteninsel wie auch die Regulierungslinie verändert. Die Form der werdenden Margareteninsel änderte sich auch, und zwar zu ihren Gunsten: So wurde sie symmetrisch zur Inselspitze. Als Folge der Änderung wurden die Wasserschutzbauten in den weniger tiefen Teilen des Flussbettes errichtet, was einen kleineren Eingriff in den natürlichen Zustand des Stroms bedeutete und auch viel weniger kostete. Die Ersparnis wurde in den Kaianlagenbau umgeschichtet, der so in einer anspruchsvolleren Form verwirklicht werden konnte. Es wurden nicht abgeschrotete, sondern behauene Steine benutzt, in Pest der schon früher verwendete weiße Stein, in Ofen der billigste rote

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