Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)
Ferenc Vadas: Die Regulierung der Donau und die Kaianlagen
82 hinten gelangten; das angeschüttete Gebiet wurde parzelliert und bis zu den 1870er Jahren mit Gebäuden im Stil der Neorenaissance verbaut; später wurden sie meist zu Hotels umgestaltet, vor ihnen wurde der berühmteste Spazierweg Pests, der Donaukorso, angelegt. (Die Mehrzahl der Häuser wurde während der Belagerung von 1944/45 zerstört, an ihrer Stelle stehen heute moderne Hotels.) Der Name von Ferenc Reitter, der den Bau der Pester Kaianlagen leitete, ist in erster Linie wegen seines Plans für den Umlaufkanal bekannt, der gewöhnlich als Vorläufer des Großrings betrachtet wird. Es war aber bloß ein Element jenes Plans, der die Frage des Hochwasserschutzes der Stadt und ihrer Umgebung zu lösen gedachte. Er bot eine radikale Lösung für den Abbau der gefährlichsten Eigenheit des hiesigen Donauabschnittes, den Eisstoß, der an der Spitze der Csepel-Insel drohte: Dieses Problem wollte er durch einen Kanal beheben, dessen Eingang oberhalb von Pest gelegen wäre und, die Stadt umgehend, in den Donauarm von Soroksár unterhalb von Pest gemündet hätte; das heißt, dass die Mündung des Nebenarmes im nördlichen Teil Pests gelegen wäre. Die Idee war keineswegs neu, sie wurde schon in der Reformzeit überlegt, zuerst 1829. Reitter entwickelte und popularisierte das Konzept nur weiter. Auch er hielt die Aufspaltung des Flusses auf mehrere Arme für die größte Gefahr und die „Zusammenziehung“ für die Lösung. Obwohl das Wesentliche seines Konzepts nicht verwirklicht wurde, wurde die „Landvariante“ des Umlaufkanals, der Großring, sehr wohl gebaut. Reitter gehörte zu jenen, an die sich die Nachwelt in erster Linie nicht wegen der von ihnen durchgeführten Arbeiten, sondern wegen nicht verwirklichter Pläne erinnert. Während der Pester Ladekai im mittleren Abschnitt langsam, aber durchgehend ausgebaut wurde, versuchte die Gemeinde auch in Ofen das Problem aus eigener Kraft zu lösen. Dieser Versuch scheiterte aber. Das städtische Bauamt unter der Leitung von Lipót Varásdy fertigte die Regulierungspläne für den Uferabschnitt südlich der Kettenbrücke bis zum Jahr 1860 aus. Die technische Lösung wäre einfach gewesen: eine abgedachte Uferwand mit Steinverkleidung, Stützkörper und zweifachem Pfahlwerk. Es ging also nicht um einen Ladekai, sondern um eine Uferwand, die für den Hochwasserschutz gebaut worden und für Handelszwecke nur an einigen Stellen geeignet gewesen wäre. Bis zum Jahr 1867 kam man nicht einmal dazu, die Arbeit anzufangen, und schließlich wurde das Problem nach dem Ausgleich vom Staat gelöst. Die großen Bauarbeiten der 1870er Jahre In dem gerade gegründeten Ministerium für Öffentliche Arbeiten und Verkehr fing man 1868 mit entsprechenden Vorarbeiten an. Der ersten Variante gemäß, hätte die Regulierung nur die Gebiete südlich der Kettenbrücke (in Ofen) und den bereits existierenden Ladekai (in Pest) betroffen, aber 1869 machte man schon Pläne für den ganzen Donauabschnitt der Hauptstadt. Das Wesentliche des Planes: die Einengung des Flusses auf 200 Klafter mit 24 Fuß hohen Wasserschutzbauten (über dem Punkt 0), die Absperrung des Armes von