Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)

Eva Offenthaler: Die Elektrizitätsversorgung

179 Eva Offenthaler Die Elektrizitätsversorgung Nun stehen wir an einer neuen Phase in der Entwicklungsgeschichte des Beleuchtungswesens; auch diesmal möge Wien seinen ehrenvollen Platz behaupten und ein Meer von Licht strahle aus dieser Stadt und neuer Fortschritt gehe aus ihr hervor} Mit diesen prophetischen Worten eröffnete der an technischen Neuerungen sehr interessierte Kronprinz Rudolf im Jahre 1883 die „Internationale Elektrische Ausstellung“ in Wien. Die Ausstellung fand auf dem Rotundengelände im Prater statt, bot den Besuchern einen Überblick über die vielfältigen Verwendungszwecke der neuen Energiequelle Elektrizität und wurde ein großer Erfolg. Im Mittelpunkt standen - wie schon bei der Niederösterreichischen Gewerbeausstellung drei Jahre zuvor - die elektrische Beleuchtung und der Motorantrieb. Anlässlich der Ausstellung führte die Firma Siemens & Halske eine elektrische Bahn auf einer 1,5 km langen im Prater verlaufenden Probestrecke vor, und die Südbahn-Gesellschaft eröffnete auf der Strecke Mödling-Hinterbrühl die erste elektrische Lokalbahn Österreichs - zugleich die zweite permanente Elektrobahn weltweit. Doch schon die Gewerbeausstellung von 1880 hatte mit einer elektrischen Schmalspurbahn Aufsehen erregt. Sie verlief auf einer 300 m langen Trasse entlang der Nordfront des Rotundengebäudes und war von der Telegraphenbauanstalt Béla Egger errichtet worden. Als Thomas Alva Edison auf der Pariser Ausstellung 1881 die erste praktisch verwendbare Glühlampe vorstellte, war damit der Siegeszug der Elektrizität eingeleitet. Vereinzelte Ansätze zur elektrischen Beleuchtung hatte es in Wien schon in den 1870er Jahren gegeben. So erhielt 1878 der Wiener Eislaufverein eine Platzbeleuchtung mittels zweier Bogenlampen, die durch Bunsenbatterien gespeist wurden, und 1879 wurden der Setzersaal der „Neuen Freien Presse“ und die Jutespinnerei in Simmering mit Gleichstromlampen ausgestattet. 1880 erfolgte dann die Beleuchtung von Südbahnhof, Schillerplatz und Volksgarten, 1882 die Probebeleuchtung des Grabens und eines Teils des Stephansplatzes sowie die der Hermesvilla. Im folgenden Jahr wurden der Rittersaal der Hofburg, die Hofopernbühne und die Historische Ausstellung mit elektrischen Glühlampen versehen. Den Wiener Gemeinderat bewog die wachsende Bedeutung des neuen Energieträgers, ein „Komitee zum eingehenden Studium aller Verwendungsmöglichkeiten auf dem neuen Gebiet“ einzusetzen. Im August 1885 wurde im Rathaus eine eigene Anlage in Betrieb genommen: Mittels 471 1 1 Zitiert nach: Lichtjahre. 100 Jahre Strom in Österreich, Wien 1986, 441.

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