Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)

Eva Offenthaler: Die Elektrizitätsversorgung

180 Glühlampen wurde der Gemeinderatssitzungssaal beleuchtet, und auch das Sektionszimmer erhielt elektrisches Licht. Die genannte Kommission setzte sich in der Folge für die Errichtung einer Elektrizitätszentrale ein, die, aus Geldern der Stadt finanziert, eine Million Gulden gekostet hätte. Die Gemeinde lehnte diesen Vorschlag aber 1887 ab, weil ihr das Risiko zu hoch schien und man die weitere Entwicklung abwarten wollte. Im Jahr 1888 gab es in Wien bereits etwa 70 Objekte, die elektrisch beleuchtet wurden, wobei zirka 15.000 Glühlampen und zirka 250 Bogenlampen in Verwendung standen. Letztere wurden zunehmend in der Industriebeleuchtung genutzt: Eine Bogenlampe konnte 25 Gasflammen ersetzen. Zehn Jahre später hatte die Elektrizität auch außerhalb der Beleuchtung an Bedeutung gewonnen. Elektromotoren sorgen für Komfort, wie einer Statistik aus dem Jahre 1898 zu entnehmen ist: Unter den 220 an das Wiener Netz angeschlossenen Motoren befanden sich 50 Ventilatoren, 26 Aufzüge, die beiden neuen Motoren des Riesenrades, 19 Zahnarztbohrer und 15 Werkzeugmaschinen. Als erstes öffentliches Elektrizitätsversorgungsunternehmen Österreichs hatte 1886 ein Wasserkraftwerk seinen Betrieb aufgenommen, das die Stadt Scheibbs mit Strom versorgte. Im folgenden Jahr erhielt Salzburg sein erstes Elektrizitätswerk, das von der Firma Siemens & Halske errichtet wurde. In Wien musste zunächst die in einer Großstadt problematischere Leitungsverlegung gemeistert werden, ehe 1889 das erste, ebenfalls von Siemens & Halske in der Wiener Innenstadt gebaute Elektrizitätswerk mit der Stromerzeugung begann. Die für den Bau und Betrieb einer elektrischen Zentralstation erforderliche Konzession hatte schon am 24. Oktober 1885 der Ingenieur Franz Fischer erhalten, aber im folgenden Jahr an Siemens & Halske in Wien übertragen. Erst nach langen Verhandlungen konnte die erste elektrische Zentralanlage Wiens 1889 in Betrieb genommen werden. Das Kraftwerk ging 1891 an die „Allgemeine Österreichische Elektrizitäts- Gesellschaft“ über, die unter der Führung der Anglo-Österreichischen Bank gegründet worden war. Da die „Zentrale Neubad“ dem steigenden Strombedarf nicht lange gerecht wurde, errichtete die Gesellschaft zwei Jahre später ein zweites Gleichstromkraftwerk in Wien Leopoldstadt, dessen 20 Generatoren 1,12 Megawatt liefern konnten. Neben den Zentralen im 1. und 2. Gemeindebezirk besaß die Gesellschaft auch Unterstationen im 17. und 19. Bezirk. Daneben gab es die 1888 gegründete „Wiener Elektrizitäts-Gesellschaft“ mit ihrer Zentralstation in Mariahilf. Diese stellte jedoch keine Konkurrenz dar, da die räumliche Abgrenzung abgesprochen wurde. Die „Wiener Elektrizitäts- Gesellschaft“ versorgte die Bezirke 5-7 mit Strom. Eine Wettbewerbssituation trat erst mit dem Hinzukommen einer dritten privaten Gesellschaft, der „Internationalen Elektrizitäts-Gesellschaft“, im Jahre 1890 ein. Sie hatte ihren Sitz in der Nähe der Reichsbrücke, im Bereich

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