Szita László (szerk.): Előadások és tanulmányok a török elleni visszafoglaló háborúk történetéből 1686-1688 (Pécs, 1989)
Előadások és tanulmányok - Ludwig Hüttl: Kurfürst Max Emanuel von Bayern und die Rückeroberung Ungarns von den Osmanen
um Ungarn nach und nach von den Osmanen zurückzuerobern, hielt Max Emanuel an seinem Ziel fest, den Oberbefehl über das kaiserliche Gesamtheer zu erhalten. Diese Angelegenheit beschäftigte nicht nur die bayerische und kaiserliche, sondern auch die französische Diplomatie. Die Tatsache, daß Max Emanuels Ehe mit der Kaisertochter Maria Antonia nicht besonders glücklich war, blieb ihr ebenfalls nicht verborgen. Würde diese Ehe kinderlos bleiben, wären alle Hoffnungen Max Emanuels, künftig wenigstens einen Teil des spanischen Erbes zu erhalten, gegenstandslos. Denn nicht Max Emanuel persönlich, sondern seine Gemahlin und ihre gemeinsamen Nachkommen kamen laut den spanischen Gesetzen als mögliche Erben in Betracht. Max Emanuel als Gemahl Maria Antonias konnte nur Sachwalter sein. Eingedenk dieses Zusammenhangs versuchte die französische Diplomatie, neue Kontakte zum bayerischen Kurfürsten zu knüpfen. Denn 1685 war der langjährige Resident in München, Denis de la Haye-Vantelet, der im übrigen zuvor in Konstantinopel tätig gewesen war, nach Frankreich zurückberufen worden. Es bestanden vorübergehend keine direkten Beziehungen mehr zwischen München und Versailles. Max Emanuels Schwester Maria Anna Christina, die Gemahlin des Dauphin, hatte keinen leichten Stand, seit ihr Bruder mit dem Kaiser verbündet war und ihm half, Ungarn zurückzugewinnen. Denn eine Machtverstärkung des Hauses Österreich konnte sich nur nachteilig für die französische Europapolitik auswirken, deren Ziel es war, die beiden habsburgischen Linien in Wien und Madrid voneinander zu trennen, ihre Positionen, wo immer möglich, zu schwächen, und eine künftige Vereinigung beider Linien wie dereinst unter Kaiser Karl V. auszuschließen. Die Wiederkehr einer derartigen geopolitischen Umklammerung Frankreichs sollte in Zukunft verhindert werden. Dafür galt es, rechtzeitig vorzusorgen und ein Bündnissystem aufzubauen, das es dem Kaiser unmöglich machte, seinen Erbanspruch auf Spanien zu verwirklichen. Ob er sich an den Teilungsvertrag von 1668 halten würde, war ungewiß. Desgleichen schien es der französischen Diplomatie notwendig, Max Emanuels eventuelle Ansprüche auf Spanien bzw. eines oder mehrere seiner Nebenländer auszuschalten. Dieser Störfaktor war am besten dadurch zu überwinden, daß der bayerische Kurfürst, wie ehedem sein Vater, sich wieder mit Frankreich arrangierte. Es galt, ihm klarzumachen, daß er an der Seite Kaiser Leopolds I. nichts, an der Seite Ludwig XIV. aber viel zu gewinnen habe. Der französische König entsandte Louis Hector Marquis de Villars als Sondergesandten nach Wien in offizieller Mission, dem Wiener Hof sein Beileid zum Ableben der Kaiserinwitwe Eleonóra von Gonzaga auszusprechen, inoffiziell aber, um auf der Rückreise in München Station zu machen und bei dieser Gelegenheit Sondierungsgespräche mit dem bayerischen Kurfürsten über eine künftige Annäherung beider Parteien aufzunehmen."»'' Versailles ging von der Tatsache aus, daß Max Emanuel keine Kinder hatte, seine Thronfolge nicht gesichert war, seine Hoffnungen auf Spanien folglich jeder Grundlage entbehrten. Wien könne und wolle ihn am künftigen spanischen Erbe - sofern Karl II. ohne Nachkommen stürbe - ohnehin nicht beteiligen. Was der Kaiserhof verweigere, das würde Ludwig XIV. bieten - einen Teil des spanischen Erbes, vorausgesetzt. Max Emanuel trennte sich rechtzeitig vom Kaiser. Vom Karneval in Venedig wieder nach Wien zurückgekehrt, lernte Max Emanuel bereits dort den französischen Sondergesandten Villars, einen gewandten Diplomaten, Kavalier und Militärsachverständigen, kennen und schätzen. Innerhalb weniger Tage schienen «sie ein Herz und eine Seele zu sein. Sie verstanden sich ausgezeichnet. Max Emanuel kam diese Freundschaft sehr gelegen, konnte er dadurch Druck auf die kaiserliche Diplomatie ausüben. War sie nicht bereit, seinen, wie ihm schien, berechtigten Wünschen nachzukommen, so hatte sie sich die ersichtlichen Konsequenzen selbst zuzuschreiben. Der Schwiegersohn des Kaisers teilte Villars alle politischen und militärischen Vorgänge mit, und dieser versäumte es nicht, eifrig dem französischen König Bericht zu erstatten. 55 Der Wiener Hof war sehr erstaunt über das Verhalten Max Emanuels. Er lud seinen neuen Freund nach München ein. Villars arrangierte Feste und Lustbarkeiten in München und begleitete den Kurfürsten zu Schlössern, Festen und Jagden nach Nymphenburg und Schleißheim, Landshut und Leonsberg, Geisenteid und Haltenberg am Lech.™