Szita László (szerk.): Előadások és tanulmányok a török elleni visszafoglaló háborúk történetéből 1686-1688 (Pécs, 1989)
Előadások és tanulmányok - Ludwig Hüttl: Kurfürst Max Emanuel von Bayern und die Rückeroberung Ungarns von den Osmanen
Max Emanuel wollte mit seiner Teilarmee die Feste Stuhlweißenburg erobern. Karl von Lothringen plante, die Feste Ofen (Buda) einzunehmen/' 7 Doch dazu reichten die ihm zur Verfügung stehenden Kräfte nicht aus. Er benötigte auch die Streitkräfte, die unter dem Kommando Max Emanuels standen. Da die Eroberung von Ofen aus strategischen wie politischen Gründen Priorität hatte, beschloß ein gemeinsamer Kriegsrat am 9. Juni 1686 auf Vorschlag Kaiser Leopolds, mit vereinten Kräften die Feste Ofen zu belagern. Schweren Herzens mußte sich Max Emanuel wiederum dem Oberkommando des Herzogs von Lothringen unterordnen. Um das Gesicht zu wahren, setzte er jedoch durch, daß beide Armeen auf getrennten Wegen nach Ofen marschieren und an verschiedenen Stellen die Festung angreifen sollten. Seine Abteilung unterstand allein seinem Befehl. Am 17. Juni bemächtigten sich die bayerischen Dragoner der Stadt Pest; in der Nacht zum 24. Juni erfolgte auf der bayerischen Angriffsseite die Eröffnung der Laufgräben gegen die Festung/' 8 Am selben Tag nahmen die Truppen des Herzogs von Lothringen die untere Stadt ein. Max Emanuel hielt sich immer wieder persönlich in den Laufgräben auf, um die Soldaten und Techniker anzuspornen und die Arbeiten zu koordinieren. „Er hat sich vorgenommen zu siegen oder zu sterben", berichtete der kaiserliche Oberst Grat Vecchi, und „der Sprache fehlt es an Worten für seine Ausdauer, seinen Eifer und die Anstrengungen, die er auf sich nimmt"/' 9 Wiederholte Angriffe von Seiten des bayerischen Kurfürsten wie von Seiten des Herzogs von Lothringen brachten nicht den gewünschten Erfolg. Als das Hauptpulvermagazin in Ofen gesprengt wurde, waren selbst die Angreifer so überrascht, daß sie die Gunst der Stunde nicht nützen konnten. Die Aufforderung zur Übergabe lehnte der osmanische Befehlshaber ab. Neuerliche Angriffe am 27. Juli und 3. August scheiterten. Mit dem Entsatzheer des Großwesirs, das sich in den nächsten Tagen näherte, kam es zu mehreren Treffen, jedoch zu keiner offenen Feldschlacht. Am 21. August zog sich das Heer des Großwesirs zurück, erschien acht Tage später neuerlich vor den bayerischen Linien und wich nach schweren Verlusten aufs neue zurück. Der dritte Sturmangriff von bayerischer Seite am 22. August auf das Schloß, den stärksten Teil der Festung, wurde dagegen von den osmanischen Verteidigern abgewehrt. Schließlich führte der von drei Seiten am 2. September 1686 unternommene Hauptsturm zum Erfolg. Von seiten des Herzogs von Lothringen drangen Kaiserliche, Brandenburger, Schweden in die Stadt ein; von seiten des bayerischen Kurfürsten wurde die steile und schwer zugängliche Bresche in Besitz genommen und das Schloß erobert. Es folgte ein schreckliches Blutbad unter der restlichen Besatzung und der Einwohnerschaft/'" Max Emanuel bemühte sich auf Bitte des Lothringers und des Grafen Stratmann, mit Einsatz seiner vollen Autorität dem Wüten der Soldaten, die nach den langen Entbehrungen und den Strapazen der vergangenen Monate äußerst erbittert waren, Einhalt zu gebieten."' 1 Allein die bayerischen Regimenter hatten während der Belagerung 47 Offiziere und etwa 1600 Soldaten, Tote, Verwundete und Kranke, verloren. 52 Dies war etwa ein Drittel ihrer Kampfstärke. Die bayerische Reiterei war die meiste Zeit über an andere Orte abkommandiert gewesen. Da es nicht gelang, das Heer des Großwesirs anzugreifen und sich dieses über die Drau zurückzog, wurde der Feldzug des Jahres 1686 gegen die Osmanen beendet. Die Soldaten zogen in die Winterquartiere ab. Wie alljährlich gab es Versorgungsschwierigkeiten in den Winterquartieren. „Die ehrlichen Soldaten in Ungarn leiden große Not", ließ Kurfürst Max Emanuel den Kaiser wissen, „so daß sie teils krepieren, teils davonlaufen." 5-' Differenzen gab es auch wieder über die Auszahlung der rückständigen kaiserlichen Subsidien. Max Emanuel verbrachte wie manch andere Heerführer und Personen fürstlichen Standes den Karneval 1687 in Venedig. VII) VON HARSÁNY NACH BELGRAD Die Auseinandersetzungen zwischen Max Emanuel und Kaiser Leopold über die Frage des Oberbefehls dauerten an. Obwohl die Ereignisse von 1685 und 1686 gezeigt hatten, wie notwendig und wie erfolgreich ein einmütiges Zusammenwirken aller Beteiligten war.