Szita László (szerk.): Előadások és tanulmányok a török elleni visszafoglaló háborúk történetéből 1686-1688 (Pécs, 1989)

Előadások és tanulmányok - Ludwig Hüttl: Kurfürst Max Emanuel von Bayern und die Rückeroberung Ungarns von den Osmanen

XIV. erkannte diese Erbfolge nicht an und erhob im Namen seiner Schwägerin Liselotte von der Pfalz, der Gemahlin des Herzogs von Orléans, Anspruch auf das pfälzische Allo­dialerbe. Neue Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und dem Reich aufgrund dy­nastischer Verflechtungen und Konflikte standen bevor. In Wien befürchtete der Kaiser, er könnte in einen Zweifrontenkrieg verwickelt werden. Seiner Diplomatie gelang es, ein Defensivbündnis, die Augsburger Allianz, zustande zu bringen. Ihm gehörten der Kaiser, der fränkische Reichskreis, die sächsisch-ernestinischen Häuser, der schwedische König Karl XI. in seiner Eigenschaft als Herzog von Bremen, Verden und Vorpommern sowie der spanische König Karl II. auch in seiner Eigenschaft als Mitglied des burgundischen Reichs­kreises an. Auch Kurfürst Max Emanuel von Bayern trat am 9. Juli 1686 der Augsburger Liga bei. Weitere Reichsstände schlössen sich an. Der französische König Ludwig XIV. überschätzte diese Allianz und faßte sie als Angriffsbündnis und als Provokation auf. Dem Kaiser ermöglichte sie die Fortsetzung des Krieges gegen die Osmanen in Ungarn. Zu seinen bisherigen Alliierten wie Max Emanuel von Bayern und Ludwig Wilhelm Mark­graf von Baden-Baden gewann die kaiserliche Diplomatie nun auch den Kurfürsten Fried­rich Wilhelm von Brandenburg. Er war seit 1679 mit Frankreich verbündet gewesen. Doch die Religionspolitik des französischen Königs führte die Wende herbei. Auf das Edikt von Fontainebleau vom 18. Oktober 1685, das die Hugenotten rechtlos machte, antwortete Friedrich Wilhelm mit dem Edikt von Potsdam (8. November 1685), das aus Frankreich fliehenden Protestanten Aufnahme in Brandenburg—Preußen gewährte. Friedrich Wilhelm schloß ein Bündnis mit Kaiser Leopold und stellte für den nächsten Feldzug in Ungarn ein beträchtliches Kontingent zur Verfügung/' 2 Auch Schweden und das zaristische Rußland engagierten sich gegen die Osmanen; ebenso setzte der polnische König Jan III. Sobieski seine Bemühungen im Kampf gegen das osmanische Reich fort. Der bayerische Kurfürst Max Emanuel befand sich somit in einer großen europäischen Interessengemeinschaft. Nunmehr Schwiegersohn des Kaisers, sah er es als unumgänglich an, den Oberbefehl über die kaiserliche Ungarnarmee zu er­halten. Dies erschien ihm aus Prestigegründen unabdingbar. Er wollte außerdem unter Beweis stellen, daß er die militärischen Fähigkeiten besaß, eigenständig eine aus vielen „Nationen" zusammengesetzte Armee zum Sieg führen zu können. Die Mittel, die in Bayern zur Verfügung standen, sowie die Subsidien, die er von Wien erhielt, reichten nicht aus, um selbst eine große eigene Armee aufzustellen. Die bayerischen Truppen, die alljährlich in einer Sollstärke von 8 bis 9000 Mann - beim Entsatz Wiens waren es über 11 000 Mann gewesen - und einer Iststärke von 7 bis 8000 Mann nach Ungarn marschier­ten, konnten deshalb immer nur das Gros der kaiserlichen Armee ergänzen und unter­stützen; deshalb mußte sich auch Max Emanuel damit bescheiden, seine eigenen und die ihm von der kaiserlichen Armeeführung zugeteilten Kontingente zu befehligen. Damit wollte er sich aber auf die Dauer nicht begnügen. Auf der anderen Seite ist zu berücksichtigen, daß der Kaiser den ihm stets ergebenen, treu bewährten Herzog und Schwager Karl von Lothringen nicht einfach seines Kom­mandos in Ungarn entheben konnte, um seinem jüngeren Konkurrenten Platz zu machen. Um beiden Persönlichkeiten gerecht zu werden und die Spannungen abzubauen, beschloß die kaiserliche Armeeführung, während des nächsten Feldzugs das Hauptheer unter Füh­rung Karls von Lothringen in Ungarn zu belassen, für den bayerischen Kurfürsten aber eine eigene Teilarmee zu bilden. So wurden Max Emanuel im Jahr 1686 etwa 21 850 Mann unterstellt, darunter 8350 kaiserliche, 8000 bayerische, 4700 sächsische und 800 ungarische Soldaten. 43 Prinz Eugen von Savoyen' A , inzwischen zum Generalfeldwachtmeister auf­gestiegen, wurde mit seinen Savoyer-Dragonern ebenfalls dem bayerischen Kurfürsten unterstellt. Mit seiner Stellvertretung wurden die Generäle Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden und Graf Leslie betraut. 45 Max Emanuel war einerseits erfreut, ein eigenständiges bedeutendes Kommando er­halten zu haben, andererseits unzufrieden, da er ursprünglich die gesamte kaiserliche Armee kommandieren wollte. Die kaiserliche Diplomatie hatte wiederum viel Mühe, „die schädliche Eifersucht zu verhindern" und zwischen beiden Armeeführern Einigkeit und ein gutes Einvernehmen herzustellen und zu erhalten. 46

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