Szita László (szerk.): Előadások és tanulmányok a török elleni visszafoglaló háborúk történetéből 1686-1688 (Pécs, 1989)

Előadások és tanulmányok - Ludwig Hüttl: Kurfürst Max Emanuel von Bayern und die Rückeroberung Ungarns von den Osmanen

war. Rechtliche Dimensionen (der Anspruch auf die Herrschaft in ganz Ungarn seit den Ereignissen von 1526), politische Dimensionen (die Rückeroberung Ungarns einerseits und die Vorbereitung einer günstigen Ausgangsposition für den Fall des spanischen Erbes andererseits) und religiöse Dimensionen (die Verteidigung der abendländischen Christen­heit und die Zurückdrängung des Islam) wirkten zusammen. Allein war der Kaiser nicht in der Lage, seine Ziele zu erreichen. Er bedurfte der Hilfe verschiedener Reichsstände, so auch Bayerns. Wie Max Emanuel im Hinblick auf die dynastischen Interessen und Bestre­bungen am Beispiel Spaniens in europäischen Dimensionen dachte, so auch im Hinblick auf Ungarn. Für ihn war es selbstverständlich, daß Ungarn zu Europa, mochte dieses auch in vielen Fragen uneins sein, gehörte, nicht zum Osmanischen Reich. Deshalb half er per­sönlich mit, Ungarn zurückzugewinnen. Alljährlich zogen nun bayerische Soldaten nach Ungarn. Die Kosten der Kriegszüge belasteten die bayerischen Finanzen. 38 Der Staats­schatz, den er von Ferdinand Maria geerbt hatte, war bald aufgebraucht. Max Emanuel begann Schulden aufzunehmen und den Untertanen, auch den Klöstern Sondersteuern aufzuerlegen 39 mit der Begründung, daß die Bedrohung der Christenheit durch den Islam beendet werden müsse. So trug nicht nur der bayerische Kurfürst persönlich, sondern auch das Land Bayern seinen Teil zur Rückeroberung Ungarns bei. Die Nachrichten von den Kriegsschauplätzen wurden überall begierig aufgenommen. Flugblätter verbreiteten in Wort und Bild die neuesten Ereignisse, und von den Kanzeln der Kirchen und Klöster wurde mit großem Eifer zu Gebet und Opfer aufgerufen. Schrec­kenstaten der Gegner wurden ausführlich berichtet, zugleich wurden erstaunliche Dinge über das ungarische Land, seine Bewohner, ihre Lebensweise, Gebräuche, Lieder und Trach­ten, aber auch über den Reichtum der osmanischen Würdenträger erzählt. Furcht und Er­staunen, Angst und Schrecken, Siegeszuversicht und die Gefahren eines neuerlichen Vor­dringens der Osmanen beschäftigten alle Stände/ 0 Die Adelsfamilien rechneten es sich zur Ehre an, wenn einer ihrer Söhne in Ungarn kämpfte und sich an der Seite des Kurfürsten oder der kaiserlichen Generäle auszeichnete. Von einer Kreuzzugsstimmung zu sprechen, wäre sicherlich übertrieben, aber starke Emotionen waren durchaus vorhanden, so daß trotz beträchtlicher Verluste alljährlich wieder bayerische Streitkräfte nach Ungarn auf­brachen. Max Emanuel war der Initiator, aber auch derjenige, der aus politischem Kalkül heraus ein weiteres Engagement Bayerns verhindern konnte. Dies lag in seiner Stellung als absolutistischer Fürst begründet, dessen Kabinettspolitik den Zeitgenossen nicht immer einsichtig war. Wenige Wochen nach seiner Vermählung, die am 15. Juni 1685 mit geziemender Pracht, aber wegen des Türkenkriegs ohne „übermäßigen Aufwand" stattfand, eilte Max Emanuel wieder nach Ungarn. Dort waren nach und nach die bayerischen Streitkräfte eingetroffen: je fünf Infanterie- und Kavallerieregimenter, eine Grenadierkompanie und die Leibgarde des Kurfürsten. Unter Führung des Grafen Serényi sammelten sie sich Anfang Juni bei Preßburg Al und marschierten von dort nach Neuhäusel, wo Max Emanuel das Kommando übernahm. Die Belagerung von Neuhäusel gestaltete sich sehr schwierig. Gemeinsam be­schlossen Max Emanuel, Herzog Karl von Lothringen und die kaiserliche Generalität, die Belagerung durch Äneas Grat Caprara mit 21 000 Mann, darunter 2100 Bayern, fortsetzen zu lassen, mit dem Hauptheer aber zum Entsatz von Gran aufzubrechen, das der Seraskier Ibrahim Seytan bestürmte. In der Entsatzschlacht am 16. August befehligte Max Emanuel den linken Flügel. Drei Tage später fiel die Feste Neuhäusel. Drei bayerische Regimenter waren auch am Angriff auf Kaschau unter dem Kommando des Grafen Caprara beteiligt,, das am 21. Oktober eingenommen wurde. Max Emanuel selbst war auf Zureden des Kapuzi­nerpaters Marco d'Aviano bereits Anfang September nach Wien zu seiner Gemahlin zurück­gekehrt. Am 9. Oktober zog das Ehepaar feierlich in der bayerischen Haupt- und Residenz­stadt München ein. Inzwischen war ein neuer Konfliktherd enstanden. Am 26. Mai 1685 starb Karl IL, der letzte Sproß der jüngeren pfälzischen Kurlinie. Die Kurpfalz ging an den nächsten männ­lichen Verwandten, den Herzog Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, einen seit Jahren engen Verbündeten Kaiser Leopolds I. über. Philipp Wilhelms Tochter Eleonóra Magdalena war, wie erwähnt, die dritte Gemahlin Kaiser Leopolds. Der französische König Ludwig

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