Füzes Miklós: Valami Magyarországon maradt - Etwas blieb daheim in Ungarn. A kitelepített magyarországi németek beilleszkedése Németországban - Eingliederung der vertriebenen Ungarndeutschen in Deutschland (Pécs, 1999)
III. Személyes átélés - Nemzeti hovatartozás
plante. Diejenigen, die leichter erkrankt waren, sollten in den einzelnen Lagern untersucht und in dafür vorgesehenen Räumlichkeiten geheilt werden. Die an Krätze Erkrankten sollten ins Landjahrlager Welzheim verbracht werden, wo 150 Betten für sie bereitstanden. Ohne die Sondergenehmigung des Arztes des Gesundheitsamtes durfte sich niemand in Privatwohnungen, Gaststätten und öffentlichen Einrichtungen aufhalten. Zur Unterbringung der Flüchtlinge dienten zwei Barackenlager, die Remswerkbaracke und die Schraubenwerksbaracke. Es stellte sich nach einigen Monaten heraus, daß diese strenge Regelung nicht überall eingehalten wurde. Aufgrund von Informationen, die von Flüchtlingen des Durchgangslagers in Ulm stammten, stellte der Leiter des Lagers Waiblingen fest, daß die Flüchtlinge in Ulm nicht vorschriftsmäßig behandelt wurden. In Ulm durften sie ohne weiterers auf die Straße hinausgehen, nach Arbeit suchen, Kinos und Gaststätten besuchen. Diese Bewegungsfreiheit löste bei den Insassen des Lagers Waiblingen eine Auflehnung gegen die strenge Quarantäneordnung aus. Sie forderten eine Beendigung der Quarantäne nach Ablauf von 14 Tagen, da die Inkubationszeit selbst bei Typhus nur 10 Tage beträgt. Später stellte sich auch heraus, daß der Flüchtlingskommissar in Ulm nicht nur Stadtbesuche ermöglichte, sondern auch, daß die Flüchtlinge zu ihren Verwandten fuhren, und zwar nicht nur in der amerikanischen, sondern auch in der britischen Zone. Er organisierte fur sie sogar Reisemöglichkeiten. Infolgedessen fuhren zahlreiche Flüchtlinge ohne ärztliche Genehmigung hin und her. Es kam wiederholt vor, daß sie zu Fuß oder als Schwarzfahrer in den Dörfern erschienen, um sich eine Wohnung zu suchen. Die Bevölkerungszahl der Stadt Waiblingen stieg in kurzer Zeit erheblich an. Bei der Volkszählung im Jahre 1939 hatte die Stadt nur 10.829 Einwohner, 1946 schon 14.064, und 1950 bereits 16.000. 1950 betrug die Anzahl der Heimatvertriebenen 3.679, d. h. 23 % der Stadtbevölkerung. Der Anteil der Vertriebenen stieg später weiter: 1958 machten sie 27%, 1960 30,1 % aus - Zahlen, die weit über dem Prozentsatz in Württemberg (24 %) liegen. Einer der wichtigsten Gründe für den Bevölkerungszuwachs ist in der Siedlungspolitik des Stadtrats zu suchen. Nach einer - bereits vor dem Krieg entstandenen - Vorstellung begann man mit der Errichtung eines neuen Stadtviertels, das für die Unterbringung der Flüchtlinge gedacht war. Im Interesse der Verwirklichung dieses Vorhabens nahm man das Angebot des Ministeriums für Vertriebene und Kriegsgeschädigte zum Bau von 180 Wohnungen im Stadtteil „Rinnenäcker" an. Die konkrete Realisierung wurde von der „Siedlergemeinschaft Selbsthilfe im Bund der vertriebenen Deutschen" durchgeführt. Unter den 90 Bauherren befanden sich zahlreiche Ostflüchtlinge und Vertriebene, die bis dahin in 23 Ortschaften des Landkreises Waiblingen gewohnt hatten. Sie ließen je ein Haus mit zwei Wohnungen bauen, von denen sie eine vermieten mußten. Die Kosten wur-