700 Jahre Schweiz

III. Hegemonie oder Partnerschaft?

Vertrag von Mailand zwischen König Philipp IV. von Spanien, Bischof Johann von Chur, den Zwei Bünden und der Herrschaft Maienfeld 1622 Januar 15, Mailand Druck, Papier 18 Folien; 16,2 cm x 21,6 cm HHStA Graubünden 1, fol. 78-95 Erfindung und Siegeszug des Buchdrucks wirkten sich nicht zuletzt auf die Publizität von Verträgen aus. Ging man nicht ausdrücklich davon aus, geheime Vereinbarungen zu treffen, so ließ sich mit Hilfe des Drucks von Friedens­verträgen europaweit Propaganda für Sieger und gegen Besiegte betreiben. Im vorliegenden Fall konnte der Triumph spanisch-österreichischer Interessen militärischer und religiöser Art gegenüber den Graubündnern einer italienisch sprechenden betroffenen Bevölkerung drastisch vor Augen geführt werden. Der Gouverneur des seit der Mitte des 16. Jahrhunderts spanischen Mailand, Gomez Suarez de Figueroa y Cordoba, Duque de Feria, diktierte im Namen seines Königs, dessen Siegel er zur Bekräftigung verwendete, die Friedens­artikel, denen sich die Bündner beugen mußten. Von den beiden wortreichen Verträgen, die am 15. Januar im herzoglichen Palast unterfertigt wurden, wird hier die bei Giovanni Battista Malatesta veröffentlichte „Liga, Konföderation und Kapitulation zwischen Ihrer Katholischen Majestät“ (von Spanien) „und dem Bischof von Chur und den Herren Bündnern der beiden Bünde, des Grauen und des Gotteshaus“(bundes) „und der Herrschaft Maienfeld“ gezeigt. Federführend war der Würdenträger des spanischen Oberitalien, angeschlos­sen war Erzherzog Leopold von Österreich-Tirol. Die 38 Artikel dieses Dokumentes regelten zusammen mit den 21 Artikeln der zweiten Kapitula­tion die religiösen und Besitzverhältnisse in Graubünden und den hievon abhängigen Gebieten im Sinn der beiden führenden katholischen Mächte, deren Truppen die Streitkräfte der Reformierten geschlagen hatten. Der Schutz der Katholiken stand für Philipp IV. offiziell an oberster Stelle, daher sollte es im Raum der Zwei Bünde keine Akatholiken geben. Chiavenna wurde zwar den Bünden zugesprochen, die protestantischen Einwohner mußten aber innerhalb von 6 Jahren ihre Güter verkaufen. Das Veltlin war für die Bündner verloren, acht der Zehngerichte (z. B. Davos) fielen an das Haus Österreich, das Besatzungen in Chirr und Maienfeld unterhielt. Es fehlte aber auch nicht an handelspolitischen Vergünstigungen für die Bündner, deren katholische Gemeinden spanische Parteigänger gewesen waren. Geldgeschenke hatten sich immer bezahlt gemacht; Der König versprach, jährlich jedem Bund 1500 Kronen (ducatoni) zu bezahlen und bei Säumnis auch jene jährlichen 25.000 Kronen zu übernehmen, die von seiten des Veltlins und Bormios an die Zwei Bünde zu entrichten waren. Der Passus über den freien Durchzug spanischer Truppen enthüllt den machtpolitischen Aspekt, der sich der religiösen Gegensätze bediente, dabei 22 39

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