700 Jahre Schweiz
III. Hegemonie oder Partnerschaft?
aber das entscheidende Kriterium bildete. Das Veltlin (eine Vogtei Graubün- dens) stellte für Spanien die wichtige Paßverbindung dar, wenn es um militärische Verschiebungen zwischen seinen nördlichen Gebieten, den spanischen Niederlanden, und dem Herzogtum Mailand ging. Die Gegner Frankreich und Venedig suchten immer wieder, Spanien und die österreichische Linie der Casa de Austria zu verdrängen. Beide Parteien nützten die konfessionellen Zwistigkeiten im Bereich der drei rhätischen Bünde: Der Graue oder Obere Bund war mehrheitlich katholisch, Gotteshaus- und Zehngerichtebund überwiegend reformiert bestimmt. Außenpolitik mischte sich mit konfessioneller Politik, die sich innerhalb Graubündens in den sogenannten „Bündner Wirren“ entlud. Der Beginn des 17. Jahrhunderts ist die aus dem Roman Conrad Ferdinand Meyers bekannte Zeit der katholischen Planta, der reformierten Salis und Jürg Jenatschs. Auf engstem Raum spielte sich hier ein haßerfüllter, von unglaublicher Grausamkeit getragener Macht - und Religionskrieg in der Art des Europa umgreifenden Dreißigjährigen Krieges ab. Die spanisch-österreichische Überlegenheit, wie sie sich im Vertrag von Mailand niederschlug, ist im Rückblick nur Episode. Frankreich gelang es unter Führung Richelieus, die Vorherrschaft des Erzhauses zu brechen: Spanien und Frankreich einigten sich im Frieden von Monzon (5. März 1626), das Veltlin den Graubündnern zu überlassen, die in den Jahren 1636/37 auch die Franzosen zurückdrängen konnten. Druck: Die Eidgenössischen Abschiede 5/2b (Bern 1877) S. 2056-2082, dazu 2034-2055 (2. Vertrag von Mailand). Lit.: Johannes Dierauer Geschichte der Schweizerischen Eidgenossenschaft 3 (Gotha 1907) S. 458-502 (Die Wirren in Graubünden); Handbuch der Europäischen Geschichte 3 (Stuttgart 1971) S. 337-341, 349, 708 f, 825, 894f. Th 23 Bevölkerungsstatistik für das Hochgericht Schiers-Seewis 1623 März 5 Or. eigenhändig Papier, 4 Folien; 21,5 cm x 23,5 cm HHStA Schweiz 27, Konv. 1623-25, fol. 50-53 Im Zuge der Bündner Wirren während des Dreißigjährigen Krieges drangen österreichische Truppen im Herbst 1621 im Unterengadin und im Prättigau vor. In den „Mailänder Artikeln“ vom Januar 1622 brachte Österreich acht der zehn Gerichte, nämlich das Münstertal, Unterengadin, Prättigau und Davos, wieder in seinen Besitz. Sofort begann mit Hilfe von Kapuzinermissionen die zwangsweise Rekatholisierung, wogegen sich Ende April 1622 im Prättigau ein allgemeiner Volksaufstand erhob. Obwohl die Aufständischen nur mit behelfsmäßigen Waffen kämpften, konnten sie die österreichischen Truppen überall schlagen. Einfälle bis nach Vorarlberg steigerten jedoch die Entschlossenheit Österreichs, die verloren gegangenen Gebiete rasch zurückzuge40