Walter A. Schwarz: „Vergänglicher Glanz…“, Altösterreichs Orden

KATALOGTEIL - 1. Der Orden vom Goldenen Vlies

nen Seitenwände und das reichgestaltete gotische Fenster hinter dem Thron vermu­ten lassen; der Hintergrund bietet einen Ausblick in die freie Landschaft. Auf den Seitenbänken sitzen 12 Ordensritter, die ebenso wie Karl mit dem roten Ordens­mantel dargestellt werden. Im Vordergrund sind die vier Ordensoffiziere zu sehen: Fillastre als Kanzler in bischöflichen Ornat; das Buch in seiner Hand beginnt mit dem Text seiner Ansprache an die Ritter, wie er unterhalb des Bildes wiedergege­ben ist. Neben ihm sitzen Schatzmeister, Schriftführer und Wappenherold; auf dem Tisch liegen einige Statutenbücher zur Verteilung an die Ritter. Die sehr qualität- volle Miniatur wird von einer reichen Rahmenverzierung umgeben, welche die Symbole des Ordens Feuereisen und Feuerstein, das Wappen Karls des Kühnen, und die Initialen C und M für Carl den Kühnen und Margarete von York, seine dritte Gemahlin zwischen reichem Rankenwerk verwenden. Der weitere sehr aus­führliche Text gibt ungezählte Personen aus biblischer, antiker und mittelalterlicher Überlieferung an, die als Vorbild für die Tugend der Gerechtigkeit dienen sollten. Zum feierlichen Zeremoniell der Ritterernennung gehörte die Überreichung des Vlies-Abzeichens (der Collane) und eines Statutenbuches durch den Souverän an den Ritter sowie die Ablegung eines Treueeides des Ritters gegenüber seinem Sou­verän. In späterer Zeit wurde dieses Übergabe und die Ablegung des Eides nicht mehr persönlich durchgeführt, sondern durch einen Beauftragten des Souveräns bzw. durch eine schriftliche Zustimmungserklärung des Ritters ersetzt. (ES) 1.13 Fr. Hubertus Scotus, Augustinerchorherr, Gedichte über den Orden vom goldenen Vlies Gewidmet dem Greffier dieses Ordens Laurentius de Blioul (1496-1542). Papier­handschrift in lateinischer Sprache, 10 Fol., Pergamenteinband. [AOGV, Anhang, K. 9], Aufschlagen: fol. 3 v + 4 r. Gedicht auf den Ordenspatron den Apostel Andreas, so­wie ein Gedicht mit der Geschichte Gedeons für den Herold des Ordens. Die anderen Gedichte beziehen sich auf die Geburt Christi, auf die Jungfrau Ma­ria, und auf andere religiöse Gegenstände, stets wird aber ein Funktionär des Or­dens angesprochen, ein Werk richtet sich sogar „ad Carolum quintum“. (ES) 1.14 Wappenbuch der Souveräne und aller Ritter bis 1561. Papierhandschrift mit sechs auf Pergament gemalten ganz figurigen Darstellungen der Ordenssouveräne, 83 Folien; Flandern, ca. 1565, geprägter Ledereinband. [AOGV Codex 5], Aufgeschlagen: Kaiser Maximilian I. Der Band enthält ein Verzeichnis aller Ritterernennungen seit Gründung des Or­dens bis 1561 (Joachim von Neuhaus); die meisten Ritter werden durch ihr Wappen charakterisiert. Dazwischen sind gleichfalls in chronologischer Reihenfolge die Souveräne in ganzer Figur auf Pergament gemalt eingebunden. Dieser Codex, der offensichtlich in mehreren Exemplaren angefertigt wurde, ist ein Vorläufer der „Liste Nominale“. In späterer Zeit wurde eine jeweils aktuelle Version dieser Mit­40

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