Österreich und das Heilige Römische Reich
KATALOGTEIL - I. Kaiser, Könige und Landesfürsten
1/15 Historia Friderici et Maximiliani: Wunderzeichen beim Regierungsantritt Maximilians im Reich 1514/15 Signatur: HHStA, HS Blau 9, fol. 85r Papier, gebunden, mit kolorierten Federzeichnungen (Abb. 4) Die „Historia Friderici et Maximiliani“, deren lateinischer Text von Joseph Grünpeck und deren Zeichnungen (nach Mathias F. Müller) von Albrecht Altdorfer stammen, gehört in den Umkreis der von Kaiser Maximilian in Auftrag gegebenen zahlreichen Werke zum „Gedechtnus“. Sie war als eine Art Lehrbuch für seinen Enkel Karl V. gedacht, um ihn mit der Größe seiner Familie und den Taten seiner Vorfahren vertraut zu machen. Die komplizierte Entstehungsgeschichte der Historia soll hier nicht weiter verfolgt werden. Das vorliegende Blatt zeigt Maximilian mit drei Astrologen, die ihm die am Himmel sichtbaren Wunderzeichen deuten. Der beigegebene Text behauptet, bei seinem Regierungsantritt nach dem Tod des Vaters habe man in der Gegend um Augsburg und anderswo Wunderzeichen am Himmel gesehen, und große Steine seien heruntergefallen. Man erkennt zwei Ritter im Turnierkampf, zwei wilde Männer, Sonne, Komet, Rute und Schwert und eine große Zahl verschieden geformter Kreuze und Steine. Diese Zeichnung und die zugehörige Erklärung wurden wie auch andere astrologische Auslegungen Griinpecks bei einer Art Schlussredaktion von Maximilian durchgestrichen, obwohl die Erwähnung ähnlicher Ereignisse anderswo beibehalten wurde. Die Beschäftigung mit Astrologie war im Hofkreis um Maximilian ja durchaus üblich. Grünpeck war Sekretär und Historiograph Maximilians und verfasste auch andere Werke, die sich speziell mit der Sterndeutung beschäftigen. So ist eine Innsbrucker Handschrift Grünpecks mit Widmung an den königlichen Sekretär Blasius Hölzl überliefert. Diese beschäftigt sich ausschließlich mit astrologischen und prophetischen Problemen. Eine der darin enthaltenen Zeichnungen von himmlischen Erscheinungen entspricht weitgehend der vorliegenden Darstellung, so dass man hier die Einflussnahme des Autors auf den Zeichner annehmen muss. ES 43