Prékopa Ágnes (szerk.): Ars Decorativa 29. (Budapest, 2013)
Balázs SEMSEY: Irreguläre Ornithologie. Angaben zur (Um)Gestaltung der Interpretation eines Motivs
Österreichisches MUSEUM für VOLKSKUNDE 5. Emblem des Österreichischen Museums für Volkskunde, Entwurf: A & H Haller, 1994 genheitsinstallationen in jenen Räumen des Museums auf, wo die ständigen Ausstellungen stattfinden, und die Werke reflektierten jeweils auf die gezeigten Exponate der ethnografischen Sammlung. Diese feinsinnige, jedoch bewusst aufgenommene Provokation - d.h. die Konfrontation der zeitgenössischen Kunstwerke und der Gebrauchsgegenstände der Vergangenheit - verhalf den im selben Raum stehenden Ausstellungsobjekten zur gegenseitigen Deutung, gleichzeitig machte sie den Besuchern der Ausstellung den intellektuellen Prozess der Rezeption bewusst, und stärkte die dazu nötige Selbsterkenntnis.20 Das neue Emblem des Wiener Österreichischen Museums für Volkskunde - das 1994 anlässlich der Eröffnung seiner neu organisierten ständigen Ausstellung als visuelle Manifestation der ars poetica des Museums gestaltet wurde - ist als Prämisse der Innsbrucker Ausstellung zu betrachten; die aus dem 18. Jahrhundert stammende Darstellung sowie die Aufbewahrung und Bearbeitung der Denkmäler der Gegenstandskultur erhellen nämlich die Rolle der Museologen in der Vermittlung zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit und dadurch in der Erkenntnis der uns umgebenden Welt und uns selbst. (Abb. 5) Das zentrale Element des Emblems ist die Silhouette des oben bereits erwähnten, geschnitzten, den Vogel Selbsterkenntnis darstellenden Schlittenkopfes der Sammlung, die auch ein Metapher für die Einstellung des Forschers ist, der sich seinem gewählten Gegenstand selbstreflektierend nähert.21 Aus kunsthistorischem Standpunkt ist - hinsichtlich sowohl der Qualität, als auch der Komplexität der Komposition - die Stiftsbibliothek der Zisterzienserinnen- Abtei von Waldsassen in Bayern bzw. einer ihrer Holzschmucke das bedeutendste Denkmal der Vogel Selbsterkenntnis-Darstellungen. Die Einrichtung und Dekoration der Bibliothek wurde im Auftrag des 6. Allegorische Figur in der Bibliothek der Zisterzienserinnen-Abtei in Waldsassen, Johann Karl Stilp, 1724-1727 (Bildarchiv Foto Marburg) 46