Prékopa Ágnes (szerk.): Ars Decorativa 29. (Budapest, 2013)

Balázs SEMSEY: Irreguläre Ornithologie. Angaben zur (Um)Gestaltung der Interpretation eines Motivs

2. Vogel Selbsterkenntnis - geschnitzter Schmuck des Schlittens auf Abb. 1. (Foto: Balázs Semsey, 2011) geschnitzten Schlitten, der aus dem Nach­lass des Malers und Kunstsammlers István Delhaes (1843-1901) noch 1902 in die Sammlung geriet.1 Vom Ursprung des Schlittens ist kaum etwas bekannt; Delhaes, der in Wien lebte, kaufte ihn wohl bei ei­nem örtlichen Kunsthändler, und bei der Inventarisierung wurde er als deutsche Ar­beit aus dem 17. Jahrhundert bestimmt. (Abb. 1) Der Schlitten befand sich jahr­zehntelang im Depot, in Ausstellungen wurde er nie gezeigt, und in keiner Publi­kation wurde er je erwähnt. Die bewusste Missachtung ist auf zwei Hauptgründe zu­rückzuführen. Einerseits sprengt dieser Gegenstandstyp gewissermaßen den Rah­men des Profils der Sammlung, in der au­ßerdem nur ein einziger Schlitten aufbe­wahrt ist (da aus Holz gefertigt, befinden sich beide in der Kollektion der Möbel­sammlung). Andererseits wurde der Schlit­ten während der ungarischen Revolution 1956 - als das Gebäude selbst ebenfalls be­deutende Schäden erlitten hatte - beinahe völlig vernichtet, so ist der ursprüngliche Zustand lediglich auf einem schwarz-wei­ßen archivalischen Foto dokumentiert.2 Die erhalten gebliebenen Teile wurden un­längst von den Mitarbeitern des Helikon Kastélymúzeum in Keszthely restauriert, wobei man versuchte, die vernichteten Tei­le ebenfalls zu rekonstruieren; der Schlitten ist heute in der ständigen Ausstellung dem Schloss Festetics angehörenden Kutschen­museums (Hintömüzeum) zu sehen.3 Der den Kopf des Schlittens krönende Schmuck - die eigentliche „Hauptfigur” des vorliegenden Aufsatzes - ist ein seltsa­mer, an eine gemästete Gans erinnernder Vogel, der seinen langen Hals beugt, um mit dem Schnabel gerade die Nase des jovi­alen Gesichtes auf seiner Brust zu fassen. (Abb. 2) Dieses Motiv ist hauptsächlich auf deutschem Sprachgebiet bekannt, und taucht auf zahlreichen - des Weiteren teil­weise auch besprochenen - Kunstwerken auf, die zu verschiedenen Gattungen ran­gieren. In der deutschen ikonografischen 3. Gravierte Darstellungen auf antiken Kameen (nach Baltrusaitis 1955) 42

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