Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 26. (Budapest, 2008)

Anna RÁKOSSY - Noémi VARGA: Ein Dolch aus dem 16. Jahrhundert in der Esterházy-Schatzkammer

ANNA RÁKOSSY - NOÉMI VARGA EIN DOLCH AUS DEM 16. JAHRHUNDERT IN DER ESTERHÁZY-SCHATZKAMMER 1 ' Von den im Kunstgewerbemuseum befind­lichen Kunstgegenständen der Esterházy­Schatzkammer wurde ein weiterer beschädig­ter Gegenstand, ein Prunkdolch, in der Zeit vom September 2007 bis Februar 2008 restauriert. Der Dolch mit Elfenbeingriff ist im Stil türkisch-persisch und auch mit europäischen Motiven verziert. 1 Die silber­vergoldete, zur Klinge gebogene Parierstange mit kobaltblauem Feueremail endet in gegossenen Drachenköpfen und schließt zur Klinge hin mit einem gegossenen Lilienkranz ab. Die zweischneidige einfache Eisenklinge wird am GrifFansatz beidseitig von geboge­nen Eintiefungen geziert. Die Scheide be­steht aus auf einen Holzkern appliziertem feuervergoldetem Silberblech mit ziselierter Verzierung, der Ring auf der Rückseite dient der Aufhängung. Der Prunkdolch taucht erstmals im In­ventar des Jahres 1654 der Schatzkammer in Fraknö (heute Forchtenstein, Osterreich) auf: „Item egy ezüst aranyos, kék zománcos, csontos görbe hancsár, vörös selyemzsinór rajta " [Item ein silbervergoldeter, blauemaillierter, bei­nerner gebogener Handschar, mit roter Seidenschnur] } Er kann sich auch schon früher in der Forchtensteiner Schatzkammer befunden haben, vielleicht kann auch diesen Dolch eine Eintragung im Inventar von 1645 der Schatzkammer von Miklós Esterházy bezeichnen: „Ittem, más két ezüsthivelű és fejér csontmarokkal való hancsár" [Ittem, zwei andere Handschare mit Silberscheide und weißen Beingriffen] '., 3 Bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden nur sehr wenige über Kenntnisse vom Material der Esterházy-Schatzkammer verfügt haben, denn deren hervorragender Reichtum wurde höchstens bei einzelnen bedeutsamen Ereignissen gezeigt. In den letzten Jahrzehn­ten des 19. Jahrhunderts hat Fürst Miklós Esterházy jeweils einen Kunstgegenstand aus der Schatzkammer an mehrere österreichische und ungarische Ausstellungen verliehen, so befand sich auch dieser Dolch in der Gold­schmiede-Ausstellung von 1884 4 und der his­torischen Ausstellung von 1886 in Budapest. 5 Von den ausgestellten Stücken wurden teil­weise auch Fotos gemacht, so etwa von diesem Dolch. Auf den Fotos sind auf der Vorder- und Rückseite der Waffe gut die Beschädigungen zu erkennen, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erfolgt waren; schon damals waren das Email und die Lilienkranzverzierung fehlerhaft. 6 Die in den Inventarien bzw. in den Ausstellungsver­zeichnissen am Ende des 19. Jahrhunderts erwähnte rote Aufhängeschnur wird im Verzeichnis des Depositenvertrags von 1923 nicht mehr genannt. 7 Die weiteren Deformiemngen und Be­schädigungen des Prunkdolches entstanden im letzten Jahr des Zweiten Weltkrieges infolge der großen Beschädigung und Zer­störung der Sammlung. Die silbervergoldeten Teile waren oxidiert und sulfidiert ver­* Die beiden Autorinnen sind im Kunstgewerbe­museum, Budapest tätig; die erste als Kunst­historikerin, die andere als Restauratorin (Bemerkung des Redakteurs).

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