Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 26. (Budapest, 2008)

András SZILÁGYI: Vergänglichkeit, Treue, Tod. Kunstwerke mit allegorischen Darstellungen aus dem 17. Jahrhundert

Zitat aus dem Hohenlied und aus der Apokalypse: „Fortis est ut mors dilectio, dura sicut inferus aemulatio; lampades eius lampades ignis atque flammarum" Stark wie der Tod ist die Liebe, / die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt. Ihre Gluten sind Feuergluten, / gewaltige Flammen. (Hoheslied 8,6). Weiters: „... esto fidelis usque ad mortem (et dabo tibi coronam vitae) Sei treu bis an den Tod; dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben" (Offb 2,10) Unter Anführung ähnlicher, überwiegend biblischer Zitate werden die weiteren Motive des Schmuckstücks als traditionelle Symbole der christlichen Tugenden und der hingebungsvollen Gattenliebe interpretiert. Die Ausführungen laufen in der Konklusion aus: „Es ist denkbar, dass das Symbol­programm des Hochzeitsanhängers von Gabriel Bethlen, dem Fürsten von Sieben­bürgen selbst - für einen (sicherlich sieben­bürgischen) Goldschmied erarbeitet und angegeben wurde." Die Analyse von Zoltán Szilárdfy sind für uns beispielhaft und haben herausragende Bedeutung; nicht sosehr wegen ihrer Schlussfolgerung wie wegen ihrer Methodik. Es besteht nämlich kein Zweifel darüber, dass das hier vorgestellte Schmuckstück, der so genannte Giftring der Sammlung Esterházy ­ähnlich den Originalexemplaren des „Bethlen-Anhängers" - aufgrund eines be­sonderen, an einen speziellen Anlass gebun­denen Auftrags ausgeführt wurde. Es gab jemanden, der in der Sache der Ausführung „verfuhr"; jemand - nicht unbedingt der Auftraggeber selbst, sondern eher einer seiner Beauftragten, seiner „Agenten" -, der dem ausführenden Goldschmied hinsichtlich der darzustellenden Motive, der Szenen, klare, eindeutige Instruktionen gab. Jemand, der genau wusste, dass der Auftraggeber dieses Stück - aufgrund der Maße einen weiblichen Ring - seiner „Erwählten", seiner (angehenden) Lebensgefahrtin zudachte. Was den Anlass und die Umstände der Herstellung und der Übergabe der zeitglei­chen - wenn auch nicht unbedingt in denselben Objekttyp gehörenden - Ringe angeht, verfügen wir über ein beachtens­wertes „Zeugnis" eines Zeitgenossen. Es han­delt sich um eine bedeutende Schöpfung der ungarischen Barocklyrik, ein Helden­gedicht von István Gyöngyösi, das „Epos Kemény", in dem die Lebensgeschichte des Staatsmannes János Kemény (1607-1662) erzählt wird. Der Held des Gedichts hatte ein wechselvolles Schicksal und war eine Zeitlang auch Fürst von Siebenbürgen. 18 Das erste Buch enthält die gefühlvolle, poetische Beschreibung der Verlobung von János Kemény mit Anna Lónyay. Wir erfahren über die unmittelbaren Voraussetzungen der auf Burg Zsibö in Siebenbürgen gefeierten Verlobung (Buch I, Teil V, Strophe 12-28). Die angehende Braut schickte ihrem Verehrer, dem angehenden Bräutigam, ein „Verlobungsgeschenk", und zwar - teils den Konventionen ent­sprechend, teils über diese kühn und weit hinausgehend - nicht nur ein dem Anlass geziemendes (reich besticktes) Verlobungs­tuch, sondern auch ein weiteres Geschenk, einen kunstvoll bearbeiteten Ring. Die diesbezüglichen Strophen von Gyöngyösis Heldengedicht (I/V/14— 17) mit der Beschreibung des Schmuckstücks haben diesbezüglich herausragende Bedeutung: Dargestellt waren daran zwei Heldinnen der klassischen Mythologie - Thisbe und Ariadne - sowie Rosen in meisterhafter Emailarbeit. 1 "

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