Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 26. (Budapest, 2008)

András SZILÁGYI: Vergänglichkeit, Treue, Tod. Kunstwerke mit allegorischen Darstellungen aus dem 17. Jahrhundert

Es wäre eine anregende und anziehende Aufgabe zu klären, ob der bei Gyöngyösi beschriebene Ring, mit besonderer Hinsicht auf die beiden genannten mythologischen Heldinnen (vermutlich in Ganzfigur), inner­halb des europäischen Denkmalbestandes der Verlobungsringe ein „unikales" Stück war. Die befriedigende Beantwortung dieser Frage würde erst weit verzweigte, systemati­sche und gründliche Forschungen erfordern, aber wir neigen dazu, wenn auch nur hypothetisch, mit einem Ja zu antworten. Diesmal scheint uns aber die Feststellung und die Betonung der unbezweifelbaren Tatsache von größerer Bedeutung zu sein, dass die Bestellung, Herstellung und Übersendung des fraglichen Ringes offenbar eine Voraussetzung hatte, ja haben musste. Diese Voraussetzung konnte im konkreten, gegen­ständlichen Sinne nichts anderes gewesen sein als das Verlobungsgeschenk, das Anna Lönyay bereits zuvor ausgehändigt bekam, ein Schmuckstück, das ihr angehender Bräutigam in Auftrag gegeben und ihr über­sandt oder übergeben hatte. Über diesen Verlobungsring haben wir gar keine Information. Dem Objekt selbst ist dasselbe Schicksal widerfahren wie dem bei Gyöngyösi beschriebenen „Gegengeschenk"; beide sind längst zerstört oder zumindest verschollen, und die schriftlichen Quellen schweigen darüber aus. Es könnte sich eigentlich auch um ein durchschnittliches, konventionelles Stück gehandelt haben, aber die Art der Erwiderung des Verlobungs­geschenks, der von Anna Lönyay in Auftrag gegebene und dem Bräutigam übersandte Ring, legen aufgrund der Beschreibung im Gedicht Gyöngyösis das Gegenteil nahe. Es dürfte viel eher eine Art außergewöhnliches und - durch seine Darstellungen - „geständ­nishaftes" Verlobungsgeschenk gewesen sein. Und in dieser Hinsicht dürfte es - nicht im fachlichen Sinne, sondern im übertrage­nen Sinne des Wortes - eine Art Vorbild für das poetisch beschriebene „Pendant" gewe­sen sein, das János Kemény als „Gegen­geschenk" von seiner Geliebte bekam. Es wäre denkbar, dass daran verschiedene Darstellungen - die wohl bekannten Symbole der Liebe und der Treue - und eventuell auch sonstige Szenen, ausgeführt wohl in Email, dargestellt waren. Wenn man dies annimmt, darf man wohl - vorsichtig, und mit Vorbehalt - auch die Annahme wagen, dass der von János Kemény in Auftrag gegebene und Anna Lönyay über­sandte Verlobungsring - hinsichtlich des Objekttyps und der Gestaltung - dem so genannten Giftring der Sammlung Esterházy, dem Gegenstand unserer gegen­wärtigen Untersuchungen, nicht unähnlich gewesen sein mag. Wer war nun der Auftraggeber des „Giftrings" der Sammlung Esterházy? Auf diese Frage wissen wir zur Zeit keine Antwort. Soviel scheint aber wahrscheinlich zu sein, dass die Absichten und Überlegun­gen dieses Auftraggebers - wer immer es auch gewesen sein mag - ähnlich waren wie jene von János Kemény (und seiner ange­henden Braut), die gute zwei Generationen später lebten. Und genauso ähnlich waren sie auch den Vorstellungen und Absichten des „Programmgebers" des „Bethlen­Anhängers". Allerdings mit dem Unter­schied zu letzterem, dass die „Quintessenz" all dessen, was der Anhänger - und die Vielzahl analoger Stücke - in ihrer Poly­phonie, ohne Worte verkündeten, auf dem Ring reduziert erscheint: man könnte sagen, in einer einzigen Stimme, oder eher in einem Akkord: im eigenartigen Dreiklang von Liebe, Treue und Tod. Mit diesen „Schlüsselworten", mit diesen Vorstellungen sind - äußerst erfindungs­reich, mit deutlich greifbaren Zeichen der

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