Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 26. (Budapest, 2008)

András SZILÁGYI: Vergänglichkeit, Treue, Tod. Kunstwerke mit allegorischen Darstellungen aus dem 17. Jahrhundert

sinngemäß und berechtigterweise dem Objekttyp der Memento mori-Ringe zuord­nen, von dem einige Beispiele in ver­schiedenen Kunstsammlungen und Museen Europas erhalten sind. Doch vor dieser Zuordnung wollen wir noch auf die Merkmale hinweisen, die dieses Stück von den bekannten Beispielen des erwähnten Objekttyps unterscheiden. Der „Kopf des Ringes ist von einem herzförmigen Stück, eigentlich einer Kapsel gebildet, die aus einem unteren Teil, der die Hand der Trägerin des Ringes berührt, und einem aufklappbaren Deckel mit dem Relief eines Totenkopfes besteht. Durch die Öff­nung des Deckels werden auf der Innenseite zwei Darstellungen in Emailmalereien sicht­bar: der Erlöser in der Vorhölle, und aus dem Fegefeuer gerettete Seelen. Diese beiden Szenen „passen" zweifels­ohne sehr wohl in das ikonographische Repertoire der Memento wzon-Ringe des 16. und 17. Jahrhunderts. Andererseits ist es auch Tatsache, dass die Bedeutung, die symboli­sche Botschaft dieser beiden Darstellungen nicht außer Acht gelassen werden darf, vielmehr nachdrücklich in Betracht gezogen werden muss, wenn man versucht, die ursprüngliche Bestimmung des Schmuck­stücks zu definieren. Wir sind davon über­zeugt, dass der Schlüssel zur Feststellung ­oder eher Umschreibung - der ursprüng­lichen Bestimmung des Ringes nicht in diesen „ergänzenden" Szenen, sondern in den dominanten Motiven des Ornaments enthalten sind. Nämlich in der Form, der Herzgestalt der „Draufsicht" der Kapsel, die den Totenkopf umrahmt. In diesem Zusam­menhang verdienen ein bezeichnender Objekttyp der europäischen Schmuckkunst der Jahre um 1600, der Verlobungs- oder Hochzeitsanhänger, beziehungsweise einige besonders charakteristische Exemplare dieses Schmucktyps besondere Beachtung. Ganz konkret jene reich ornamentierten Anhänger von tiefer Symbolik, deren hervorgehobenes, zentrales Motiv ein emailliertes rotes Herz ist, und unter deren dekorativen Ornamen­ten um das Herz hemm an hervorgehobener Stelle der Schädel als Totensymbol auftritt. Zu den Anhängern dieses Typs gehören einige sehr charaktervolle Stücke - der Anhänger mit geflügeltem Herz" in Dresden 15 und dessen zahlreiche Pendants (analoge Stücke) in Ungarn (Abb. 10), die in jüngster Zeit in mehreren Aufsätzen behandelt wur­den. 16 Besonders überzeugend ist darunter der Beitrag von Zoltán Szilárdfy, in dem diese Werke vom Gesichtspunkt der Ikonographie aus behandelt und analysiert werden. 17 Zur Interpretation der symboli­schen, bedeutungsträchtigen Motive dieses Schmucktyps führt der Verfasser ent­sprechende Bibelzitate an. Zur Erklärung des aufeinander weisenden Ensembles von Herz und Schädel, das er miteinander in Beziehung setzte, beruft er sich auf je ein aussagestarkes 10. Anhänger mit Symbolen der Gattenliebe und der christlichen Tugenden. Vergoldetes Silber, Tiefschnitt­und Ronde-bosse-Email. Siebenbürgen (?), 1626 (?). Budapest, Kunstgewerbemuseum

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