Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 16. (Budapest, 1997)

PRÉKOPA Ágnes: Motívumok trivializációja az alkalmazott művészetekben. A biedermeier oszlopos óra

Motiv der Lyra kann also aus der Geschichte der Uhren stammen, doch ihre Entwicklung verliert sich unwiderruflich im Gewirr der Wechselwirkungen zwischen den Motiven. VON DEN KLEINEN VERZIERUNGEN BIS ZUM GATTUNGSWECHSEL Die aus Perlmutt ausgeschnittenen, durch­brochen erscheinender Verzierungen sollten die schwerfällige Konstruktion und die schwarz-weißen Kontraste der Säulenuhren erleichtern. Demselben Zweck dienten viele andere kleine Beschläge und andere Verzie­rungen, die auf der bis zu den Grundformen reduzierten Säulenstruktur angesiedelt sind. Den femininen Charakter unterstreichen die im Bildfeld applizierten Kompositionen aus Seiden-, Papier- und getrockneten echten Blu­men, die die Idee der Zeit in einer empfind­sam-nostalgischen Form darstellen. 23 Gege­benenfalls finden sich zwischen den Blumen weitere allegorische Darstellungen (Abb. 2). (Eher eine Kuriosität ist eine andere „weib­liche" Gattung: Die Säulen einer Uhr der So­bek-Sammlung 24 sind mit Blumenkränzen aus Glasperlen geschmückt.) Auf den Land­schaftsbildern, die meist in Form von kolo­rierten Stichen auf dem Uhrgehäuse vorkom­men, ist die Konfrontation der Zeit und der über sie hinaus gehenden Erinnerung oder die Idylle außerhalb der Zeit zu sehen. Das Landschaftsbild ist selbstverständlich eine Gattung der grand art, die hier in miniaturi­sierter Form, aus einem bestimmten Blick­winkel, das heißt aus der Sicht der Uhr - mit anderen Worten als angewandte Kunst - er­scheint. 25 Verwandtschaft mit dieser Gruppe hat ein weiteres Stück der Sobek-Sammlung, das jedoch mehrere Motive kombiniert, ja sogar ein besonderes Nebeneinander ver­schiedener Gattungen darstellt. In der Lunet­te über dem Zifferblatt befindet sich die An­sicht von Mödling, während den Raum zwi­schen den Säulen das Bild einer idealisierten Landschaft mit Amoretten in Bewegung und Wasserfällen ausfüllt 26 , das Landschaftsbild wurde also zur Bilduhr erweitert, die als Applikat auf dem Gehäuse der ursprüngli­chen Säulenuhr piaziert wird. ZUGABE: DIE MUSIK Der Analysenversuch der Biedermeier­uhren kann nicht ohne den Verweis auf eine weitere Gattung abgeschlossen werden, die in diesem sonderbaren Ensemble durch eine Spielautomatik vertreten ist. Die Melodie ist jeweils eine eigenartige Variante, Reduktion, eines einschmeichelnden und allgemein be­kannten (also populären) musikalischen Zi­tats - unter Berücksichtigung der Möglich­keiten der von den Stacheln der Melodie­walze zum Klingen gebrachten Stahlzähne. Die bei den Biedermeieruhren so gern ver­wandte Spielautomatik zeigt somit die cha­rakteristischsten Eigenschaften der Trivial­kunst, die Mechanismen bei der Wahl und der Umformung des Motivs bei einer anderen Kunstgattung. Am Beispiel der Musik läßt sich die Beziehung zwischen Trivialkunst und grand art vielleicht deutlicher aufzeigen - wodurch die Schlußfolgerungen der vorlie­genden Arbeit zur Entwicklung der Motive der bildenden Kunst hoffentlich noch bestä­tigt werden.

Next

/
Oldalképek
Tartalom