Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 16. (Budapest, 1997)
PRÉKOPA Ágnes: Motívumok trivializációja az alkalmazott művészetekben. A biedermeier oszlopos óra
römischen Kaiserporträts erinnern - wobei natürlich jegliche konkrete Zuordnung fehl am Platze wäre. Es ist allerdings hinzuzufügen, daß im Zusammenhang mit den Büsten nur im zuvor umrissenen Bereich von Wissenschaft, Zeit und Geschichte - mit den entsprechenden Vorbehalten - nach Spuren symbolischer Verweise zu suchen ist, da beispielsweise auch die aus der Architektur über die Möbelkunst auf die Uhrgehäuse gelangten Motive (zumeist bärtig wie die „Philosphen") der Hermen und Atlanten keiner Erklärung bedürfen. Diese figuralen Verzierungen können auch als eigenständige Gliederungselemente des Interieurs vorkommen. Besonders schöne Beispiele dafür sind die Louvre-Entwürfe von Percier und Fontaine: Zwischen den sich hintereinander aufreihenden Hermen spannt sich ein unsichtbarer Kordon, der den Weg des Betrachters zwischen den Kunstwerken bestimmt. 20 KOMPOSITWESEN Eine häufige und typische Verzierung der Säulenuhren sind die zu beiden Seiten der Uhrtrommel piazierten, aus Holz geschnitzten und vergoldeten spiegelsymmetrischen Kompositwesen. Es handelt sich um „Phantasiewesen", deren äußere Erscheinung weder aus der gemeinschaftlichen noch aus der individuellen Mythologie abzuleiten ist (wobei letzteres nicht infolge der Denkweise jener Zeit, sondern aufgrund der Gattung als solcher ausgeschlossen ist), die Details der jeweiligen Form rühren von der Uninterpretierbarkeit der vielfältig kopierten Motive und dem Unverständnis des Erstellers her. Die beiden vorherrschenden Typen lassen sich zumeist von der Sphinx und vom Drachen ableiten. Ihre Gemeinsamkeit besteht darin, daß ihr Körper meist in einer schwungvollen Laubverzierung endet (Abb. 4 und 5). Das Kompositwesen kann auch einen Hunde- oder Vogelkopf haben, und die Laubverzierung kann nicht nur eine Verlängerung des Körpers, sondern auch ein aus dem Flügel entspringender „Seitenzweig" sein. 21 Die Schnitzer dieser abwechslungsreich gestalteten hybriden Figuren wußten - von ihren mehr oder weniger genauen Erinnerungen einmal abgesehen -, daß die Körper dieser wundersamen Fabelwesen aus den Teilen der verschiedensten Tiere bestehen können, und somit gingen sie mit einer außerordentlichen Leichtigkeit mit den Motiven um. So konnten solch phantastische Kombinationen zustande kommen wie zum Beispiel die beflügelten Sirenenfiguren an der Uhr Johann Müllers aus Eisenstadt, deren weiblicher Oberkörper neben Löwentatzen und Flügeln zur Sicherheit auch noch mit Seitenflossen versehen ist. 22 (Abb. 6) Die abwechslungsreichsten Verzierungen der Biedermeieruhren sind eben diese sonderbaren Ungeheuer, die sich im übrigen am negativen Ende der Skala der Interpretationsversuche finden, also dort, wo der Schnitzer nicht einmal versucht hat, seinem Werk eine Bedeutung zuzuordnen oder die von ihm reproduzierte Darstellung einem ihm eventuell bekannten Mythologischen Wesen ähnlich sehen zu lassen. (Die Sphinx zum Beispiel könnte nicht nur aus der Mythologie, sondern auch aus der Architektur und der Möbelbaukunst bekannt gewesen sein.) Ebenfalls geschnitzt und vergoldet, das heißt im Gegensatz zu den durch Guß vervielfältigten Bronzeverzierungen einzeln angefertigt und somit auch infolge der Technologie subjektiv behandelt wurde das - meist die Form einer Lyra aufweisende - Motiv, das hinter dem Pendel der einfacheren Uhrgehäuse ohne Spiegel und Beschläge zum Ausfüllen des Raumes zwischen den beiden Säulen diente. Die Form der Lyra hat auch ihre Vorläufer in der Geschichte der Uhren: Im 18. Jahrhundert wurde zum Kompensationspendel eine von der Antike inspirierte Form „erfunden", bei der die Stangen des Rostpendels die Saiten der Lyra bildeten. Nur hat die einfachste Variante der Biedermeieruhren noch nicht einmal einen Spiegel, so daß sich keinerlei Verbindung zu den komplizierten und anspruchsvollen Mechanismen mit Rostpendel herstellen läßt. Die Idee für das