Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 16. (Budapest, 1997)

PRÉKOPA Ágnes: Motívumok trivializációja az alkalmazott művészetekben. A biedermeier oszlopos óra

sikautomaten aufmerksam machte, in einer Art und Weise, die dem ungarischen Leser am ehesten die Beziehung zwischen Michel­angelo und den Stuhlbeinen ins Gedächtnis ruft. 2 Die trivialen Gattungen wurden mit der Entwicklung der Kunstgeschichte zu wissen­schaftlicher Disziplin, also im Laufe dieses Jahrhunderts, aus deren Gesichtskreis ausge­schlossen. Zur Kennerschaft gehörte auch die gründliche Kenntnis der marginalen Gat­tungen, deren Relation zur grand art sowie ihre Übertreibungen Gustav E. Pazaurek in seiner Arbeit „Guter und schlechter Ge­schmack im Kunstgewerbe" von 1912 3 an zahlreichen treffenden Beispielen aufzeigt. Hier werden vor allem aus der Objektkultur des 18. und 19. Jahrhunderts typische und als Kuriositäten zu betrachtende Beispiele ge­nannt, deren Gemeinsamkeit darin besteht, daß der Verfasser die als Schulbeispiele des „schlechten Geschmacks" anführt. Pazaurek, der sich mit den Glasobjekten des Bie­dermeier und den Kleinkunstgattungen des Kunstgewerbes befaßte, behandelte seine The­men mit dem der grand art gebührenden Ernst; diese Sichtweise zeigt sich in seinen Monographien über Bronzebeschläge, Glück­wunschkarten, Glasperlen, Tapeten, Perlmutt und andere Themen. 4 Der Begriff Trivialkunst wurde in den letz­ten Jahrzehnten in Analogie zu den litera­turgeschichtlichen Forschungen entwickelt. Besonders die Publikationen der 70er Jahre schenken dieser Thematik große Aufmerk­samkeit, in Übereinstimmung mit den geis­tig-künstlerischen Bestrebungen der Zeit. So publizierte zum Beispiel Werner Hofmann gerade 1970 seine kunsthistorische Analyse einer populären - und zugleich trivialen ­Gattung, des Comics. 5 Diese und andere ähn­liche Beispiele liegen jedoch jenseits der Thematik der gegenwärtigen Arbeit. Zur Trivialkunst gelangt man allerdings nicht nur durch gezielte Forschungsarbeit. Beispiele dafür finden sich in den unter­schiedlichsten Kontexten. 6 Die von Kunst­historikern untersuchten Vorgänge lenken die Aufmerksamkait auch auf Gruppen von Ob­jekten, die sich ohne ihren Stellenwert in dem jeweiligen Zusammenhang als unin­teressant und mit den Methoden der Kuns­tgeschichte als unerforschbar erweisen. Der Ausgangspunkt der Trivialisierung ist die grand art, und ihre markantesten Zeugnisse gehören zu denjenigen Bereichen der Ob­jektkultur, deren Exemplare die ohne beson­dere Ansprüche erdachten (also nicht ent­worfenen), billigen, oft aus ephemerem Ma­terial mit einfachen Verfahren gefertigten Gebrauchsgegenstände sind, welche die au­genscheinlichsten Merkmale des Geschmacks der jeweiligen Zeit, oder eher noch einer Mo­dewelle, eher schlecht als recht, auf jeden Fall aber oberflächlich reproduzieren. Die Charakteristika des jeweiligen Stils, die auf diese Weise einem breitestmöglichen Pub­likum zugänglich gemacht werden, beschrän­ken sich nicht nur auf die Verzierungen, das heißt auf die Ornamentik im engeren Sinne. Durch die „figurale Verzierung" verbreiten sich auch bestimmte ikonographische Typen als Gemeinplätze, oft rein formal, ohne den Anspruch und die Möglichkeit einer Inter­pretation. Alle Faktoren (gebildeter Auftraggeber, bedeutender Künstler, kleines, aber sachver­ständiges Publikum), die nach Kublers Klas­sifizierung Voraussetzungen für die Genese eines primären Werkes 1 sind, entfallen bei der Entstehung eines Gegenstandes, der zu­stande kommt, indem ein etwas geschick­terer Meister vom primären Werk „abguckt" und dieses so gut wie möglich kopiert. Selbstverständlich kann von der primären Kopie, genauer zu sagen, primären Replika, die eine ganze Lawine von Kopien in Gang setzt - wodurch die primäre Darstellung von einer Unmenge von Mißverständnissen über­lagert wird - weder formale noch ikonogra­phische Reinheit erwartet werden. Kubler weist darauf hin, daß die mit einer Qualitäts­minderung einhergehende Kopie zwei Rich­tungen nehmen kann, zum einen die Provin­zialisierung, zum anderen die Kommerziali­sierung. 8 Beide weisen in Richtung

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