Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 15. (Budapest, 1995)

SZILÁGYI András: Esterházy Pál herceg kincstárának gyarapodása 1687 után

„honoriert" wurde. Es war zweifellos tatsäch­lich so. Wir sind aber der Ansicht, daß dies auch zur Überreichung eines auszeichnenden „fürstlichen" Geschenks den Anlaß bot. Dies mußte ein Stück der Schatzkammer sein, das eine unmißverständliche Botschaft zu übermit­teln vermochte und - durch ihre sprechenden Inschriften und ihre Vorgeschichte - dazu ge­eignet war, die aktualpolitische Stellungnahme des Herrschers zum Audruck zu bringen. Näm­lich die Überzeugung Leopolds I. und seiner Berater, daß das Wirken Esterházys im Jahr 1687 auf der Grundlage des traditionellen Ideen­systems des Hauses Habsburg stand, wie es sei­nerzeit vom „inneren" Vertrauensmann des Hofes, den autoritätvollen Kanzler ausgearbei­tet worden war, und durch dessen Befolgung jahrzehntelangen konsequenten Bestrebungen der Reichspolitik die Krone aufsetzte. Wir ver­muten daher, daß bei der zweitmaligen Ver­schenkung des Pokals Leopold I. im Dezember 1687 - offenbar auf den Vorschlag seiner Rat­geber hin - umsichtig und wohlüberlegt ver­fuhr. Seine Beweggründe mochten denen ähn­lich gewesen sein, die seinerzeit 1655 seinen Vater und Vorgänger auf dem Thron geleitet hatten, als er diesen Pokal in Auftrag gegeben und seine Verschenkung an Freiherr Goldegg verfügt hatte. Die Tatsache der zweiten Ver­schenkung bedeutete aber noch etwas mehr, nämlich die Anerkennung der politischen Tä­tigkeit des ungarischen Palatins, gleichsam de­ren „Bestätigung". Aufgrund all dieser Umstände glauben wir mit Recht anzunehmen, daß der Prunkpokal an­läßlich der Erlangung des Reichsfürstentitels, gewiß kurz danach und zweifellos als Gabe des Herrschers, der ihn damit auszeichnete, also Leopolds I., in den Besitz des Palatins Paul Es­terházy gelangte. Im Archivmaterial der Schatz­kammer von Forchtenstein wird das Stück zum erstenmal im Inventar von 1693 angeführt, 18 in den Verzeichnissen vor dem Jahr 1687 gibt es noch keine Spur davon. Ein weiteres, sicheres Indiz, unseres Erachtens einen schlagenden Be­weis, liefert jedoch das Kunstwerk selbst: Die Wand des Pokals trägt nämlich das fürstliche Wappen des Palatins Paul Esterházy 19 (Abb. 19). ANMERKUNGEN 1. „Am Tag davor [vor der Krönung von Joseph I. in Preßburg am 9. Dezember 1687], das heißt, am Fest der Unbefleckten Empfängnis Unserer Lieben Frau, also am 8. Decembris, wurde ich zum Reichsfürsten erhoben, anno 1687" im Original ungarisch in: Az Esterházyak családi naplója [Familientagebücher der Esterházy]. Hrsg. Szilágyi, Sándor. Történelmi Tár 1888. S. 221 2. Geviertes Wappen mit hermelingefüttertem pur­purfarbenen Wappenmantel und Fürstenhut. Im ersten und vierten blauen Feld das uralte Wappentier der Fa­milie, der auf einer Krone stehende gekrönte Greif, das Schwert und drei Rosen haltend. Im geteilten zweiten und dritten Feld oben steigender gekrönter Greif auf ro­tem Grund, drei weiße Rosen haltend, darunter auf sil­bernem Grund drei rote Rosenknospen über Dreieck gestellt. Im Herzschild goldene Majuskel L (Leopold) vor schwarzem Grund, darüber Fürstenhut. Vgl. Nagy, Iván: Magyarország családai [Die Familien Ungarns]. Bd. V. Pest 1858. S. 899, Abb. auf S. 86. 3. Länge des Elephantenstoßzahns: 154 cm. Inv. Nr. E.65.27. Der im Januar 1945 in Stücke zerbrochene und schwer beschädigte Gegenstand wurde 1965/66 von Joachim Szvetnik restauriert. 4. Héjjné Détári, Angéla: A Metamorphoses témái­nak barokk változatai az Esterházy-kincstár elefánt­agyarán [Barocke Varianten der Metamorphosen-The­men auf dem Elephantenzahn der Schatzkammer Es­terházy]. Az Iparművészeti Múzeum Evkönyve 10 (1967) 59-92 - mit kurzem deutschen Auszug. 5. Die ausgezeichnete, allgemein verehrte und pro­duktive Mitarbeiterin unseres Museums - eine heraus­ragende Expertin der europäischen Goldschmiede- und Schmuckkunst - verstarb genau vor zehn Jahren, im August 1985. 6. Johann Wilhelm Baur (1610-1640), bekannt glei­cherweise als Kupferstecher und als Miniaturmaler, war seit 1637 im Dienste von Kaiser Ferdinand III. in Wien tätig. Zu seinem Hauptwerk, der Kupferstichfolge von 150 Blättern zu Ovids Metamorphosen, die zunächst 1641 in Wien veröffentlicht und 1681 von Melchior Kusel nochmals vervielfältigt wurde, vgl. Neues All­gemeines Künstler-Lexikon. Hrsg. G. K. Nagler. Leipzig M 852, Bd. I, S. 325. 7. Bei der kurzen Behandlung dieses mythologi­schen Themas werden zahlreiche, hauptsächlich literari­sche Bearbeitungen angeführt in: The Oxford Guide to Classical Mythology in the Arts 1300-1 900's. Red.:

Next

/
Oldalképek
Tartalom