Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 15. (Budapest, 1995)
SZILÁGYI András: Esterházy Pál herceg kincstárának gyarapodása 1687 után
ANDRÁS SZILÁGYI DIE BEREICHERUNG DER SCHATZKAMMER VON FÜRST PAUL ESTERHÁZY NACH 1687 Mit einer in Preßburg ausgefertigten Urkunde vom 8. Dezember 1687 erhob Kaiser Leopold I., König von Ungarn, den Palatin des Landes Paul Esterházy in den Reichsfürstenstand. Der zweiundfünf zigjährige Aristokrat erreichte damit zweifelsohne den Gipfel seiner Karriere. Gewiß empfand er es selbst so, denn er trug dies in sein knapp gehaltenes Tagebuch ein, in dem er sonst - außer dieser Rangerhöhung und deren genauem Datum - fast ausschließlich nur Familienereignisse festhielt. 1 Die Schatzkammer des Palatins Paul Esterházy, in der die Idee der Familienrepräsentation der Aristokratie prächtig, auf eine eindrucksvolle Weise Gestalt annimmt, umfaßt mehrere Gegenstände, die diesem bemerkenswerten Ereignis ein Denkmal setzen. Darauf verweist - oder eher davon kündet ziemlich demonstrativ - das einzige gemeinsame Merkmal dieser Werke, der als dominierendes Motiv angebrachte „Beweis" der Rangerhöhung, das erweiterte, fürstliche Wappen des Palatins. 2 Einer dieser Gegenstände, das vielleicht eigenartigste Stück der Sammlung, ist ein verblüffend bizarres Kunstwerk: der Stoßzahn eines Elephanten von außergewöhnlichen Ausmaßen, dessen Oberfläche von einer zusammenhängenden Folge von geschnitzten Reliefszenen überzogen ist (Abb. 1-2). Der Gipfel des Stoßzahns trägt als plastisch gestaltetes Motiv den Fürstenhut (Abb. 3), darunter erscheint das Relief des fürstlichen Wappens sowie eine akribisch detaillierte Inschrift in acht Zeilen mit Jahreszahl (1687); darin werden lückenlos sämtliche Titel aufgezählt, die Palatin Paul Esterházy um jene Zeit, im Jahr der Verleihung des Fürstentitels, geführt hat. Die zweiunddreißig Szenen, die sich vom Fuß des Zahns bis zum Gipfel friesartig entlangziehen, illustrieren je eine „Fabel" - eine Episode - aus den Metamorphosen Ovids. 3 Über dieses einzigartige, außerordentliche Kunstwerk, ein Kuriosum im wahrsten Sinne des Wortes, wurde vor annähernd dreißig Jahren in den Spalten (des Vorgängers) dieser Jahrbücher ein ausgezeichneter, großzügig angelegter Aufsatz veröffentlicht. 4 Die Verfasserin, Angéla Héjj-Détári, 5 unterzog das damals restaurierte, aus Fragmenten wieder „zusammengestellte" Objekt, das somit seine ursprüngliche Form größtenteils wiedererlangte, einer gründlichen Analyse und führte eine Arbeit durch, die kaum jemand anderer hätte leisten können. Sie untersuchte einzeln die zweiunddreißig mythologischen Szenen und versuchte den Gegenstand der Darstellungen zu bestimmen. Diese Aufgabe wurde durch den Zustand des Stücks, die schwer beschädigten oder völlig fehlenden Details, die fragmentarisch erhaltenen Motive und die auch in Quadratzentimetern ausgedrückt bedauernswert großen Fehlstellen erheblich erschwert. Die Arbeit von Angéla Héjj-Détári brachte trotz alledem imposante und überzeugende Ergebnisse: sie konnte siebenundzwanzig der zweiunddreißig Szenen identifizieren. Nur eine davon bedarf einiger Korrektionen beziehungsweise einer kleinen Präzision, und es blieben insgesamt nur fünf Szenen, bei denen es ihr nicht gelang, das Thema zu erkennen. In der Einleitung ihres Aufsatzes zählt die Verfasserin einige barocke Stichfolgen zu den Metamorphosen auf. Eine dieser Art ent-