Szilágyi András (szerk.): Ars Decorativa 15. (Budapest, 1995)

SZILÁGYI András: Esterházy Pál herceg kincstárának gyarapodása 1687 után

ging aber bedauerlicherweise ihrer Aufmerk­samkeit, nämlich die Kupferstichfolge von 150 Blättern von Johann Wilhelm Baur, die 1640 in Wien entstand. 6 Vergleicht man diese Blätter mit den Reliefszenen am Elephantenzahn, läßt sich feststellen, daß letztere aufgrund der Kom­position der jeweiligen Blätter der Baurschen Folge entstanden sind. Diese Bestimmung der kompositionellen Vorbilder bestätigt im über­wiegenden Teil der Darstellungen die Richtig­keit der Erkenntnisse von Angéla Héjj-Détári und die ikonographische Genauigkeit ihrer Feststellungen. Darüber hinaus ermöglichen diese Blätter die Identifizierung der übrigen fünf „unaufgelösten" Szenen und verhelfen zur näheren Bestimmung des Sujets und der Per­sonen. Mit vorliegendem Beitrag möchten wir diesen Fragen nachgehen, wobei wir die Nume­rierung des Aufsatzes von 1967 beibehalten und uns auf die wenigen Darstellungen be­schränken, die dort nicht behandelt wurden be­ziehungsweise bei denen die Quellenangabe bei Ovid präzisiert werden kann. Das fünfte Blatt der Folge Johann Wilhelm Baurs trägt den Titel Aenum et Ferreum Sae­culum (Das Eherne und das Eiserne Zeitalter); die mörderischen Männergestalten im Mittel­punkt der bewegten Komposition gehören letz­terem Alter an (Abb. 4). In der vierten Szene der Elfenbeinreliefs treten dieselben vier Figu­ren auf, sie sind also keine kämpfenden Gigan­ten, sondern illustrieren genau die entspre­chende Stelle bei Ovid: Buch I, Zeile 141-149 (Abb. 5). In den Zeilen 569-585 des zweiten Buches wird eine weniger bekannte und verhältnismä­ßig selten bearbeitete Geschichte der klassi­schen Mythologie erzählt. Die Heldin ist Nyc­timene, Tochter des Königs von Lesbos, Epo­peus, deren Schuld, die frevlerische Liebe zu ihrem Vater, von Minerva, der olympischen Göttin, gräßlich bestraft wurde: Sie verwan­delte Nyctimene in eine Eule. Bei Baur wird das Thema im Blatt einundzwanzig behandelt (Abb. 6), zwei Figuren dieser Darstellung er­scheinen in der elften Szene auf dem Elephan­tenzahn (Abb. 7). Ebenfalls zu den selten dargestellten mytho­logischen Themen gehört jene Episode, die das Verhängnis des thebanischen Königs Pentheus ahnen läßt, der die Wahrsagung des Sehers Ti­resias höhnisch mißachtet (Metamorphoses III, Zeilen 51 1-526). 7 Die beiden Figuren auf Blatt vierunddreißig der Kupferstichfolge (Abb. 8) ist in der vierzehnten Szene des Elfenbeinre­liefs zu erkennen (Abb. 9). Blatt achtundfünfzig der Folge vergegen­wärtigt hingegen - im Gegensatz zu den bisher behandelten - ein allgemein bekanntes und häufig illustriertes Thema, die grausame Sühne des hochfährtig verblendeten Satyrs Marsyas, der mit seinem Flötenspiel die Lautenmusik Apolls zu überbieten glaubte (Abb. 10). Mit die­ser Tat beleidigte er auf eine eitle und törichte Weise die himmlischen Mächte, deshalb wurde er auf Geheiß des olympischen Gottes bei le­bendigem Leibe geschunden (Metamorphoses VI, Zeilen 382^400). 8 In der vierundzwanzigs­ten Szene unseres geschnitzten Reliefs wurde die Komposition von vorn herein in einer re­duzierten Form übernommen (Abb. 11). Die beiden „sprechenden" Attribute in der rechten unteren Ecke des Stichs, die Syrinx und die Laute fehlen im Relief, darüber hinaus sind der rechte Arm und die Beine ebenfalls schadhaft, so daß dadurch auch das wesentlichste Merk­mal dieser Figur, die Ziegenpfoten nicht in Er­scheinung treten. Wohl damit ist es zu erklären, daß diese Szene mit besonders vielen Fehl­stellen im Aufsatz von 1967 zu den unerkenn­baren gezählt wurde. Szene siebenundzwanzig des Elephanten­zahns zeigt eine Gruppe von drei Figuren: in der Mitte erscheint Erysichthon, der Sohn des Triopas', König von Thessalien, der ebenfalls eine göttliche Strafe erleiden muß: Ceres quält ihn mit unersättlichem Hunger, und diese stän­dige Qual führt ihn dazu, daß er seine eigene Tochter Metra verkauft. Das Relief (Abb. 13) folgt ziemlich genau der Vorlage, Blatt einund­achtzig der Kupferstichfolge (Abb. 12), das die Zeilen 843-848 des achten Buches illust­riert. Blatt hundertelf von Baurs Folge vergegen­wärtigt eine der ergreifendsten Episoden aus Ovid (Abb. 14). Die Heldin ist die keusche

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