Imre Jakabffy (szerk.): Ars Decorativa 7. (Budapest, 1982)

DÁVID, Katalin: Rekonstruktion des Elfenbeindiptychons von Győr/Raab

nikaner und Karmeliten — die Verbreiter des Marienkults, wie auch ähnlicherweise zu diesen die aus dem Benediktinerorden ausgeschiedenen Zisterzienser und auch so der signifikanteste der Kanonikerorden, die Prämonstratenser waren die Zentren der Verehrung Mariens. Ihre Pastoration be­rührt sämtliche Klassen der Gesellschaft, so wirkte ihre Arbeit entscheidend an den Aufschwung des Kults mit. Die Entfaltung der Wallfahrtsorte, bzw. die Vermehrung ihrer Besuche, die quantitative Änderung der verschiedenen Marienpatrozinien und in der Kunst die mit dem Marienkult pa­rallel stärker werdende thematische Be­reicherung — was auch klar zeigt, dass in den im 13—14. Jahrhundert erbauten, fast sämtlichen grossen Kathedralen einen vor­nehmen Platz die Mariendarstellungen ein­nahmen — all diese weisen eindeutig auf zeitgenössische Bedeutung und Ausdeh­nung dieser Ehrung hin. Es ist in der Literatur eine allgemein anerkannte Meinung, dass die Wandlung des Marienkults die dominierende kul­turelle Bewegung der zeitgenössichen Ge­sellschaft determiniert hatte, das bedeutet so viel, dass wir in diesem schnellen Wuchs des Kults die Einwirkung der Ideale des Rittertums suchen sollten. In der Person Mariens bekam diese Gedankenwelt ein adäquates Ideal. Mit dieser Anschauung können wir einverstanden sein, jasogar gibt sie Antwort zum Motiv der Expansion des Kults und der Häufigkeit des Themas, weiterhin zeigt sie auf den Grund, woraus sich der Marienkult wahrlich beschlagen hatte können. Dieser Kult besitzt aber einen spezi­fischen Zug, wonach ich mich veranlasst fühle eine unmittelbare Ursache in der geistlichen Kultur der Zeit zu suchen, es geschah nämlich nicht nur so viel, dass ein Thema sich vielfältig aufgelöst und berei­chert hatte, es ist aber grundlegend wich­tig, dass unter diesen neue Zeichensysteme zur Welt gekommen sind, in welchen das Thema nur als ein Mittel für die Repräsen­tierung eines abstrakten Gedankens gedient hatte. Diesen Gedanken symbolisierte Maria nicht nur als ein allgemeines Idealbild, son­dern in concreto Maria selbst, die Mutter des Erlösers, d.h. dieser Gedanke gab neue Erwägungen zum Thema der göttlichen Mutterschaft. 8 Diese Erkennung bewegt mich dazu, dass ich innerhalb des Berei­ches der zeitgenössichen Theologie den un­mittelbaren Anlass suchen soll. Die einge­hende Darlegung meiner Untersuchungen ist nicht die Aufgabe dieser Abhandlung; ich möchte bloss meine Schlussfolgerungen kurz andeuten. Es zeigt sich klar von der Wende des 12—13. Jahrhunderts an, dass zur Entfal­tung des Marienkults die Verehrung der Eucharistie, deren wiedererwachene theo­logische Prüfung, einen unmittelbaren dog­matischen Grund gegeben hatte. Das Aller­heiligste Sakrament war die Zentralfrage der zeitgenössischen Theologie, in dem, laut Lehre der Kirche, unter den Gestalten von Brot und Wein der Körper und das Blut des Gottmenschen, die Göttlichkeit und das menschliche Wesen in Wirklichkeit an­wesend seien. Diese Lehre, dieser Gedan­kenkreis hatte die Person Maria als Gottes­mutter notwendigerweise mit sich empor­gehoben, ja durch sie ist Christus, der Gott­mensch verkörpert worden. Als Papst Urban IV. im Jahre 1264 das Fronleich­namsfest verordnete — d.h. die öffentliche Verehrung des Allerheiligsten Sakraments obligatorisch auf die gesamte Kirche er­streckt hatte — so weist Thomas von Aquino in seinen damals für die Liturgie des Festes geschriebenen Hymnen auf die Bedeutsamkeit der Person Maria in Zu­sammenhang mit diesem Dogma hin: ., Nobis datus, nobis natus Ex intacta Virgine . . ," 9

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