Imre Jakabffy (szerk.): Ars Decorativa 7. (Budapest, 1982)
DÁVID, Katalin: Rekonstruktion des Elfenbeindiptychons von Győr/Raab
Eigentlich folgt vom 12. Jahrhundert an, parallel mit den Untersuchungen rücksichtlich der Eucharistie, die Entfaltung der Mariologie mit solchen dreier Hauptthemen, welche beweisen, dass der Zuwachs des Marienkults wahrlich sich an der Verehrung des Allerheiligsten Sakraments knüpfte, und eben diese drei Themen die neuen Kompositionen der Marienikonographie geschaffen hatten. Die Themen sind einerseits Voraussetzungen, anderseits Konsequenzen der Tatsache des Muttergottestums: eines ist die Immaculata Conceptio, das zweite Thema ist, unter den Geschöpfen die nur ihr gebührende Form ihres Todes und ihrer Verklärung betreffend; das dritte: die Rolle Mariens in der Erlösung. Im Grunde genommen entstand die Komposition der Mettercia aus der Immaculata Conceptio, ja die Idee der unbefleckten Empfängnis, die die Verehrung der Hl. Anna, Mariens Mutter, erhob. 10 Dieser Bildtyp in seiner Struktur setzt die Abstammung von Anna bis zum Gottmenschen auf. Die verdiente Hervorhebung aus dem allgemeinen Schicksal der Menschheit bekam grössere Betonung durch die Darstellungshäufigkeit ihres Todes, ihrer leiblichen Aufnahme in den Himmel und ihrer himmlischen Krönung. Schliesslich die dritte Idee, wonach die Gottesmutter eine Vermittlungsrolle in der Schätzenverteilung der Erlösung besitzt, diese Idee erschafft jenen Diptychonstyp, der durch das Zusammenkomponieren der Kreuzigung und des Todes Maria, bzw. der Kreuzigung und Mariens Krönung eine symbolische Interpretation der Teilnahme der Mutter in der Erlösung gibt. Zum Abschluss dieses kurzen Exkurses möchte ich die Aufmerksamkeit noch auf etwas lenken: eine fundamentale Frage ist aller ikonologischen Untersuchungen, wie jene Idee, die in der Kunst eine Konzeption erhält, durch welche Vermittlung zum Künstler reiche, und woraus die Präformierung des ideenwiderspiegelnden Symbols stamme. Obwohl die Präformierung eine gesellschaftliche Erscheinung ist, finden wir doch deren Zusammenfassung oftmals in der Tätigkeit einer eminenten Persönlichkeit der Zeit. 11 Meine Forschungen führten mich dazu, dass die derart interpretierte Quelle des Marienthemas die Tätigkeit des konsequenten theologischen Pflegers der Würde des Muttergottestums, des grossen Philosophen der Epoche, Duns Scotus war. Der allenfalls eminentste Kirchendoktor der Mariologie, der zwischen 1302—1307 an der Universität von Paris unterrichtete, übte eine Wirkung nicht nur auf die allgemeine christliche Gesinnung der Epoche aus, sondern hat auch die zeitgenössische Kunst gestaltet. Wenn wir das sachlich ungelöste Bestreben der Zeit verstehen wollen, müssen wir seine Lehre in das Scheinwerferlicht der ikonologischen Untersuchungen stellen. Duns Scotus fasste einerseits die Traditionen zusammen, anderseits formulierte er neue Symbole, deswegen war er nicht nur die literarische Quelle seiner Epoche, sondern auch der gesamten mittelalterlichen Kultur. Als Beispiel möchte ich darauf hinweisen, dass die bereits erwähnten Hauptthemen der Mariologie, welche der Kunst neue Ideale geliefert hatten, mittels Duns Scotus' Tätigkeit wahre Bedeutsamkeit bekamen. So war er der erste, der den Gedanken der Präredemption formuliert hatte, 12 welcher das dogmatische Fundament der Immaculata Conceptio geworden war, und zugleich der Auslöser des sich ausgestalteten Symbolssystems. Oder jene Gesinnung von Scotus, wonach der Körper selbst auch existiere und in seinem Konkrétum selig wird, was zu den philosophischen Erwägungen für die schon lange behauptete Idee der ,,assumptio animae et cor-