Imre Jakabffy (szerk.): Ars Decorativa 4. (Budapest, 1976)

SZILÁGYI, András: Ein Silberbecher mit Gravierungen nach Georg Pencz und H. S. Beham

den, sondern zugleich als Mittel der das Böse — in unserem Fall den Neid — treffenden göttlichen Strafe betrachtet werden. Man kann dieser eigenartigen Dualität auch in der zeitgenössischen Interpretierung des Glücks auf der Spur folgen. 34 In der spät­mittelalterlichen Kunst erscheint Fortuna oft als eine die göttliche Vorsehung symboli­sierende Frauenfigur. Für uns sind jedoch diejenigen Darstellungen wichtig, die For­tuna als heidnische Göttin, als Gegensatz der christlichen Tugenden vergegenwärtigen. Von den zahlreichen, zeitgenössischen Dar­stellungen ähnlichen Inhaltes kann das Fresko von G. Vasari erwähnt werden, das einen Saal seines Palastes in Arezzo deko­riert (Abb. 9). Das Fresko stellt drei orga­nisch zusammengehörende allegorische Ge­stalten dar, in welchen die auf ähnlicher­weise interpretierten Figuren des Silber­bechers zu erkennen sind. Zur Erklärung der allegorischen Komposition gibt uns eine zeitgenössische Quelle, und zwar ein Teil eines Schreibens von Vasari selbst den Schlüssel: „La Virtu che ha sotto i piedi Plnvidia, e presa la Fortuna pe' capelli, ba­stona l'una e Faltra ; e quello che molto álló­ra piacque, si fu, che in girando la sala attor­no, ad essendo in mezzo la Fortuna, viene talvolta lTnvidia a esser sopra essa Fortuna e Virtu, e d'altra parte la Virtu sopra lTn­vidia e Fortuna, si come si vede che avviene spesse volte veramente". 36 Die Darstellung kann also auf zweierlei Art interpretiert werden. Für uns ist die letztere Variaton wichtig, wonach die Szene auf die Macht bzw. den Sieg der Tugend über das Glück bzw. den Neid hinweist, Die figürliche Ver­zierung des Silberbechers kann als eine fast zeitgenössische Variation — mit ähnlicher Deutung — der Komposition von Vasari betrachtet werden. Das zwischen 1540 und 1545 verfertigte Fresko ist ein charakteri­stisches Werk des toskanischen Manieris­mus. 9. FRESKO VON G. VASARI, AREZZO, 1540 - 1545 Dieser Umstand begründet die Aufzählung der manieristischen Züge der gravierten Darstellungen des Silberbechers. Als erstes kann das eigentümliche, bizarre und ziemlich seltene Thema der Darstellugen erwähnt werden. Es ist eine beliebte Metho­de des Manierismus, die Bedeutung der Fi­guren in verhüllter Form, mit Hilfe von vieldeutigen Attributen zum Ausdruck zu bringen. Die ungewöhnlich zahlreichen At­tribute bieten im Fall der den Sieg der christ­lichen Tugenden personifizierenden Frauen­figur eine Möglichkeit zur Einigung mehre­rer Darstellungstypen. Das ist ein bezeich­nendes Beispiel des bewussten Strebens nach Eklektizismus, das ein charakteristischer Zug der manieristischen Werke ist; es kann auch in den theoretischen Schriften der ita­lienischen Maler des Zeitalters verfolgt wer­43

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