Imre Jakabffy (szerk.): Ars Decorativa 4. (Budapest, 1976)

SZILÁGYI, András: Ein Silberbecher mit Gravierungen nach Georg Pencz und H. S. Beham

Die Schlange, als Symbol des besiegten Bö­sen, und das Empyreum erscheinen auf den mittelalterlichen Darstellungen des Jüngsten Gerichtes, unter den Füssen Christi, bzw. im Hintergrund. 22 Als Mitglied der die Sibyllen und Propheten vorstellenden Serien taucht — obwohl verhältnismässig selten — die Persische Sibylle als eine auf die Schlange tretende Frauenfigur auf, sie hält eine Lan­terne in der Hand. 23 Die Persische Sibylle wurde im späten Mittelalter als Botin der Erlösung betrachtet. Dire Lanterne ist das Sinnbild des „Lichtes der Welt", ebenso wie das Empyreum. 21 Als Begleiter der spätmittelalterlichen Jüng­stes-Gericht-Szenen, den personifizierten Fi­guren der Tugenden und Sünden ähnlieh, er­scheinen oft Ecclesia und Synagoga, als sym­bolische Frauengestalten der Auserwählten, bzw. der Verdammten. Die siegreiche Ec­clesia-Figur dieser Szenen hält ein Kreuz in der Hand, ihr Haupt ist mit Sternenkranz dekoriert. 25 Der Lorbeerkranz, als Attribut des Sieges der Tugend, kommt oft auf den allegorischen Darstellungen des 16. Jahr­hunderts vor. 26 Das Herz und die Sonne mit Menschenge­sicht in ihrer Scheibe — in unserem Fall auf dieselbe Figur weisende Motive — sind als Attribute der Charitas-Darstellungen des 16. Jahrhunderts weit verbreitet. Als Beispiel mag eine, in Nord-Italien im Jahre 1573 verfertigte Charitas-Figur erwähnt wer­den. 27 Zur komjJizierten Deutung der Behamschen allegorischen Frauenfigur tragen neben den Attributen auch die sieben Aufschriften des Stiches bei 28 (Abb. 7). Unter diesen verdienen in erster Linie die drei, auf der rechten Seite befindliehen Aufschriften — Fides, Spes, Charitas — grössere Aufmerk­samkeit. Die letzteren verweisen nämlich deutlich darauf, dass der Sieg des Christen­tums zugleich den Triumph der drei theolo­gischen Tugenden bedeutet. Im weiteren müssen wir auf die Frage Ant­wort geben, ob ein gewisser inhaltlicher Zu­sammenhang unter den drei allegorischen Figuren des Silberbechers festzustellen ist. Die moralisierenden Werke der mittelalterli­chen Literatur betrachten das Unglück als Folge der Sünden 29 . Dieser Gedanke wird von den Autoren der deutschen Renaissance des 16. Jahrhunderts übernommen. Für uns ist je ein Detail aus dem obenangeführten Gedicht von Hans Sachs, sowie aus dem Narrenschiff von Brant besonders wichtig: „Er (der Neid) richtet alles Unglück zu . . . " 30 „Ich sag, wenn sich begibt ein Neydt, Da hebt sich Raub, Krieg, Mord und Streyt, Davon alles Unglück sich begeyt . . . " 31 In diesen Werken erscheint also das Unglück als Folge des Neides. Der zwischen den bei­den Begriffen bestehende Zusammenhang wird im Falle des Silberbechers von je einem Attribut ähnlicher Bedeutung der Invidia­und Infortunium-Figuren betont. 32 Die den Sieg des Christentums darstellende Frauen­figur bedeutet also in diesem Zusammen­hang den Sieg der Tugend über die Sünden, in unserem Falle, über den Neid und Hass, bzw. über deren Folge, das Unglück. Der Stich von H. S. Beham stellt den Sieg der christlichen Tugenden als eine auf eine Schlange tretenden Frauengestalt dar. Die Schlange ist eines der häufigsten Attribute der Invidia-Darstellungen des Mittelalters sowie des 16. -Jahrhunderts. Dieser Umstand weist klar auf die zwischen den beiden alle­gorischen Figuren bestehende inhaltliche Beziehung hin. Es wird durch zahlreiche schriftliche Quellen bewiesen, dass der Begriff des Unglücks im späten Mittelalter und zur Zeit der Renais­sance auf ambivalenter Weise interpretiert wurde. In diesem Begriff hat man nicht nur das Mittel der bösen Mächte, sondern gleich­zeitig die Erfüllung der göttlichen Vorsehung gesehen. 33 Die Infortunium-Figur des Be­chers muss also nicht nur als Folge der Sün­i2

Next

/
Oldalképek
Tartalom