Imre Jakabffy (szerk.): Ars Decorativa 2. (Budapest, 1974)

WEINER, Piroska: Ungarische Exlibris in der Kleingraphiksammlung von Rezső Soó

lienwappen übernehmen. Neben dem Wap­pen nämlich erscheinen plötzlich der Name, der Titel, der Spruch des Inhabers, später verwandelte sich das Wappen immer mehr in ein Teil der dekorativen, meistens alle­gorischen Komposition und wurde sogar auch ihr untergeordneter Teil. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhun­derts begann die „Demokratisierung" des Exlibris. Häufiger kommen die Exlibris der weltlichen Institutionen, Ämter und bürger­licher Persönlichkeiten vor. Ein typischer Bücherzeichen dieses Zeitabschnittes ist: einfacher Namenszettel in typographischer Lösung ohne irgendwelche Zeichnung. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts entlöst sich das Exlibris von der konventionellen Gebundenheit und wird zum künstlerischen Ausdruck des Individuums. An seiner Stelle erscheinen immer mehr solche Exlibris, die nach den Wünschen des Besitzers seine In­dividualität, seinen Interessenkreis darstel­lende allegorische Zeichnungen und Sprü­che zum Vorschein bringen. In Ungarn ent­faltete sich die Exlibriskunst in der Jahr­hundertwende. Lebhafter wird in breiteren Schichten die Sammlung der Bücher und zugleicher Zeit erneuerte sich die Buch­kunst, und der Anspruch für das Exlibris. Die meisten technischen Ausführungen des ungarischen Exlibris waren: Holz­schnitt, Kupferstich, Radierung, später Stahlstich, Lithographie und andere Flach­drucktechniken, dann Linotypie, letzten­endes Druckklischee. Von der Jahrhundertwende an spielten das Exlibris-Sammeln und dessen Organisa­tionen eine grosse Rolle in der Entfaltung dieses Kunstzweiges. Die Sammeltätigkeit Rezső Soó's war keine isolierte Erscheinung. Auch deswegen soll man die Hauptzüge der Geschichte dieser Bewegung andeuten, denn auch unser Museum spielte darin eine grosse Rolle. Die im Museum für Kunstgewerbe im Jahre 1903 veranstaltete erste Landesausstellung des Exlibris gab der Entwicklung dieser Kunstart den ersten Schwung. Zum Anlass dieser Ausstellung haben schon mehrere Sammler, in erster Linie Graf Karl Leiningen-Westerburg, Gräfin Coudenhove-Breunner, Elemér Var­jú, Gyula Elischer ihre Sammlungen zur Verfügung gestellt. Aus den 763 Exempla­ren waren 300 alte ungarische, 150 gleich­zeitige ungarische, die übrigen ausländische Werke. Diese Ausstellung und deren Ka­talog"' popularisierte nicht nur die Kunstart des Exlibris, sondern erweckte auch neue Lust zum Sammeln, das die weitere Ent­wicklung dieses Kunstzweiges hervorrief. Ein nettes Dokument dieser Ausstellung ist das Exlibris, das der britische Graphiker und Kunstgewerbler Walter Crane zu die­sem Anlass für Elemér Czakó geschaffen hatte. Im selben Jahr erschien der Katalog der Exlibris-Sammlung der erzbischöflichen Bibliothek in Esztergom (Gran). 6 Obzwar auch schon die breiten Schichten sich zu dieser Kunstart wendeten, doch dauerte es Jahre bis die erste Exlibris-Sammler-Orga­nisation gegründet wurde. Die Funktion der Exlibris-Vereinigung erfüllte als erste in Ungarn die Sektion der Graphik der 1909 gegründeten „Szent György Czéh" (St. Georg Zunft). Diese Zunft veranstaltete 1913 eine internationale Exlibris-Ausstel­lung, die mit dem historischen Charakter gegenüber der Schau des Museums für Kunstgewerbe grösseres Gewicht auf das moderne ungarische und ausländische Ma­terial legte. Die Zeitschrift der Zunft: „A Gyűjtő" (Der Sammler) Hess aus diesem Anlass eine Sondernummer für Exlibris er­scheinen, redigiert von László Siklóssy. Diese Luxusausgabe mit ihren 100 originel­len Exlibris ist auch bis heute noch eine der schönsten Produktionen dieser Kunst­art und zu gleicher Zeit ihre wertvollste Quelle. 7 Die St. Georg Zunft gab die An­258

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