Imre Jakabffy (szerk.): Ars Decorativa 2. (Budapest, 1974)
WEINER, Piroska: Ungarische Exlibris in der Kleingraphiksammlung von Rezső Soó
PIROSKA WEINER UNGARISCHE EXLIBRIS IN DER KLEINGRAPHIKSAMMLUNG VON REZSŐ SOÓ Die Exlibrissammlung des Museums für Kunstgewerbe wurde im Jahre 1969 mit dem Geschenk des Professors Soó bereichert, 1 das in seiner Grösse und Bedeutung das Grundmaterial der Kleingraphiksammlung des Museums weit übertrifft. Die Sammlung, deren grösster Teil aus Exlibris besteht, wurde von der Fachliteratur eine der bedeutendsten gehalten.- Es ist bekannt, dass Prof. Soó nicht nur im Sammeln der Kleingraphik, sondern auch auf zahlreichen anderen Gebieten ein grosser Kunstsammler sei, doch seine Exlibris-Sammlung ist die reichste.' 1 In unserem Museum begannen wir mit der Aufarbeitung des mächtigen Materials. Diesmal fangen wir mit der Bekanntmachung der ungarischen ExlibrisGruppe dieser Sammlung an. Die Anwendung des Exlibris brachte in den grossen Bibliotheken die Notwendigkeit für die Notierung ihrer Bände mit sich, dessen Vorgeschichte als das damals übliche Eigentumswappen im Randornament der Kodexblätter angesehen wird. Solche Exempel gibt es auch in den Corvinén zu sehen. Darauf folgte auf dem Einband lesbare, den Besitzer bezeichnende Inschrift oder in die Einbandtafel gepresstes sog. Super-Exlibris. Ein bekanntes Beispiel dazu ist in unserem Museum die Zeichenart des aus dem Jahre 1629 stammende Einbandtafel der Herzogin Katharina von Brandenburg (S. IMÉ II, 1955. 106—121). Die ersten „echten" Exlibris, also die vervielfältigten und in die Bücher geklebten Zettel, waren Holzschnitte. Das älteste datierte, bekannte Exlibris war ein deutsches aus dem 15. Jahrhundert. Kurz darauf folgten auch die ältesten Exlibris aus Ungarn, die aber sehr selten vor dem 18. Jahrhundert stammten. Das Exlibris des Pressburger Bürgers, Hans Teilnkes (Telinkes) aus dem 16. Jahrhundert wurde noch in Nürnberg gedruckt, doch das Bücherzeichen der Bartfelder (Bártfa, Bardejov) katholischen Kirche vom Ende des 16. Jahrhunderts wurde vermutlich in der Bartfelder Druckerei von David Gutgesell verfertigt, also dies war schon ein heimatliches Exemplar/' Selten ist noch das ungarische Exlibris im 17. Jahrhundert, doch blieb ein so bedeutendes Schaffen über wie das Kupferstich-Exlibris des Erzbischofs György Szelepcsényi. Reich ist schon die Exlibris-Produktion des 18. Jahrhunderts: meistens gehören diese Bücherzeichen zu den kirchlichen Bibliotheken oder sind sie Kupferstichwappen der Magnaten, zuerst mit Familiennamen, dann mit Eigennamen versehen. Die Exlibris-Literatur unterscheidet die aufeinanderfolgenden Perioden danach, wie die Eigenzeichen den Platz der Fami157